Viele Arztpraxen und Apotheken wegen Corona-Krise in wirtschaftlicher SchieflageapoBank-Umfrage: Heilberufler in Zeiten der Corona-Pandemie

In einer aktuell von der Deutschen Apotheker- und Ärztebank(apoBank) durchgeführten Umfrage bei 521 Fach- und Hausärzten, Apotheken und in Krankenhäusern zeigen sich viele wirtschaftliche Probleme der Heilberufler.

Die ersten Effekte der virusbedingten Einschränkungen auf den beruflichen Alltag sind bereits spürbar: 58 Prozent der befragten Heilberufler verzeichnen einen Rückgang der Patienten. Dabei sehen sich die Zahnärzte von den wirtschaftlichen Folgen von Covid-19 am stärksten betroffen: Ganze 89 Prozent melden rückläufige Patientenzahlen. Apotheken werden noch häufiger frequentiert, doch auch hier geben 34 Prozent der Befragten zurückgehende Kundenzahlen an.

Spürbar weniger Praxisumsätze und Rückgänge bei Patienten

Für die Mehrheit der Heilberufler sind jedoch die Szenarien, wie Personal zu entlassen oder die Praxis vorübergehend zu schließen, keine Optionen. Einen bestehenden Kredit aufzustocken oder auszusetzen beziehungsweise neue Kredite zu beantragen, zieht zukünftig knapp ein Drittel in Betracht. Um den Praxisbetrieb in diesen Zeiten weiter zu gewährleisten, greifen die Heilberufler vielmehr auf Eigenmittel zurück: 46 Prozent haben bereits Privatvermögen umgeschichtet oder wollen auf diese Option in Zukunft ausweichen. Zudem nutzen bereits 15 Prozent der Befragten vermehrt digitale Behandlungsmethoden wie die Videosprechstunde und mehr als jeder Vierte (27 Prozent) plant einen solchen Einsatz in Zukunft.

Umfrage

Grafik: apoBank

Für Praxen und Apotheken bedeuten sinkende Patientenzahlen zwangsläufig Umsatzeinbrüche - davon betroffen sind etwa 60 Prozent aller Befragten. Die Frage nach dem Arbeitspensum zeigt aber, dass weniger Patienten nicht zwangsläufig weniger Arbeitsaufwand bedeuten: Nur 29 Prozent vermelden sinkendes, 44 Prozent sogar ein gestiegenes Arbeitsaufkommen, bei den Apothekern verzeichnen knapp 70 Prozent mehr Aufwand.

Besondere Herausforderung bei Materialbeschaffung

Auf die Frage nach den besonderen Herausforderungen in den nächsten Wochen, nennen die selbständigen Heilberufler an erster Stelle die Beschaffung von Waren und Verbrauchsmaterialien – insgesamt 84 Prozent der Befragten bereitet diese Aufgabe am meisten Sorgen. Dies deckt sich mit der aktuellen Knappheit an Schutzkleidung, Atemmasken und Hygieneartikeln. 

Einhaltung gesetzlicher Vorgaben problematisch

Auch die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben sehen fast 62 Prozent der befragten Heilberufler innerhalb der nächsten Wochen als problematisch an. Dazu zählen beispielsweise verstärkte Hygienevorschriften, Abstands- und Zugriffsbeschränkungen oder Limitierungen der Ausgabe von Arzneimitteln. Mehr als die Hälfte (53 Prozent) sieht sich zudem nicht der Aufgabe gewachsen, den kommenden Patienten- und Kundenanfragen gerecht zu werden.

„Die Ausbreitung des Corona-Virus ist für uns als Gesellschaft äußerst herausfordernd und verlangt jedem Einzelnen beruflich und privat viel ab - dies gilt besonders für unsere Heilberufler“, sagt Daniel Zehnich, Leiter des Bereichs Gesundheitsmärkte und Gesundheitspolitik bei der apoBank.

„Als Standesbank wollen wir wissen, was die Ärzte, Zahnärzte, Apotheker aktuell umtreibt, auch um unsere bisherige Unterstützungsleistungen entsprechend anzupassen. Die Antworten zeichnen ein erstes Stimmungsbild. Demnach fürchten die befragten Heilberufler weniger um die Gesundheit als um die Auswirkungen der Pandemie auf die Wirtschaft und das Arbeitsleben. Einige mussten bereits selbst Maßnahmen ergreifen, um den eigenen Praxisbetrieb zu sichern und die ambulante Versorgung auch weiterhin gewährleisten zu können.“

Quelle: PI apoBank

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