PwC-Healthcare-Barometer 2020 erschienen

Das neue PwC-Healthcare-Barometer 2020 ist jetzt veröffentlicht worden. Der repräsentativen Studie zufolge halten die deutschen Krankenversicherten die Digitalisierungsstrategie der Bundesregierung für richtig. Diese Neuregelungen, insbesondere die Fortführung des Innovationsfonds (80 Prozent), die Digitalisierung von Verwaltungsprozessen (77 Prozent) und die Möglichkeit, Gesundheitsapps auf Rezept zu bekommen (74 Prozent) werden gut bewertet. Immerhin zwei Drittel der Versicherten haben von dem neuen Gesetz schon gehört oder gelesen, auch wenn nur elf Prozent Details kennen. Wenn es um die Online-Versorgungspraxis geht, sind die Bürger aufgeschlossen: 76 Prozent würden das elektronische Rezept nutzen, 54 Prozent die Videosprechstunde und 87 Prozent die Übermittlung der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung per Internet.

Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswirtschaft bei PwC im Interview: "Grundsätzlich zeigen sich die meisten Bürger gegenüber neuen digitalen Technologien aufgeschlossen, wie unsere Studie zeigt – auch wenn nur einer Minderheit bekannt ist, was sich genau hinter dem Digitale-Versorgung-Gesetz und Begriffen wie dem Innovationsfonds verbirgt. Alle digitalen Lösungen, die den Alltag des Patienten leichter machen, finden die Zustimmung der Bürger: etwa Gesundheitsapps, die vom Arzt verschrieben werden, das elektronische Rezept oder Video-Sprechstunden. Wir müssen allerdings auch die Bedenken der Versicherten ernst nehmen. Sie äußern deutlich, dass sie die Hoheit über ihre Daten behalten möchten, wie 93 Prozent bestätigen. Immerhin die Hälfte sagt aber auch, dass sie sich zugunsten einer Alltagserleichterung weniger Gedanken um den Datenschutz macht. Die Ergebnisse zeigen, dass die Übermittlung von Informationen auf Papier im Gesundheitswesen definitiv Geschichte sein muss.

Skeptisch wegen Datenschutz

Allerdings ist den Befragten auch bewusst, dass die Digitalisierung der Medizin mit der Preisgabe ihrer persönlichen Daten verbunden ist. Und in diesem Punkt sind die Deutschen durchaus kritisch: So sagen 93 Prozent, dass eine Weitergabe von Informationen nicht ohne ausdrückliche Zustimmung der Versicherten erfolgen darf, und 77 Prozent haben Bedenken, dass Daten an kommerzielle Anbieter außerhalb des deutschen Gesundheitssystems weitergegeben werden könnten. Auf der anderen Seite ist den meisten Menschen bewusst, dass die Medizin anonymisierte Daten braucht, um Therapien voranbringen zu können. Entsprechend halten es 82 Prozent für ein Gebot der Ethik, dass diese Daten genutzt werden dürfen.

Noch mehr Zufriedenheit mit den Krankenkassen

Die Skepsis der Deutschen bei der Bewertung ihres Gesundheitssystems wirkt sich nicht auf die Beurteilung ihrer Krankenkasse aus, ganz im Gegenteil: Die Zufriedenheit mit der eigenen Versicherung ist gegenüber dem Vorjahr sogar leicht gestiegen – von 86 auf 88 Prozent. Dementsprechend bestätigen acht von zehn Befragten, dass ihnen von der Krankenkasse alle Leistungen bewilligt werden, die sie für eine gute medizinische Versorgung brauchen.

Gute Bewertung zur Versorgung im Krankenhaus

Auch mit der Versorgung im Krankenhaus sind die Deutschen – ähnlich wie bereits in den Vorjahresbefragungen – vergleichsweise zufrieden. 51 Prozent der Versicherten bewerten die deutsche Krankenhauslandschaft als gut oder sehr gut, weitere 39 Prozent als durchschnittlich. Dabei urteilen Frauen etwas kritischer als Männer. Bei der Wahl des richtigen Krankenhauses ist der persönliche Kontakt dem Internet weit überlegen: Am wichtigsten ist der Rat des Hausarztes mit 55 Prozent, gefolgt von der Empfehlung im Freundes- und Bekanntenkreis (40 Prozent). Informationen über die Website des Krankenhauses oder Bewertungsseiten im Internet folgen erst auf den weiteren Plätzen (34 bzw. 33 Prozent).

Besseres Image für Pharmaunternehmen

Allmählich verändert sich bei den Befragen das Bild der Pharmakonzerne. Weg vom Gewinnmaximierer zum Innovator. Wichtiger Wunsch an die Branche: 69 Prozent erwarten, dass die Konzerne neue Medikamente zur Bekämpfung von Krankheiten entwickeln, während nur 23 Prozent günstige Nachahmer-Arzneimittel für zentral halten.

Für die neue Studie wurden 1.000 Deutsche (Mindestalter: 18 Jahre) repräsentativ nach Alter, Geschlecht und Region online befragt. Die Ergebnisse sind auf ganze Zahlen gerundet.

Quelle: PI PwC

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