WIP-Studie 2019: Privatpatienten sichern erneut Mehrumsatz pro Arztpraxis

Im Jahr 2017 stieg in Deutschland der Mehrumsatz in Arztpraxen durch privatversicherte Patienten auf 13,23 Milliarden Euro. Dies sind rund 226 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Dies geht aus der aktuell veröffentlichten Studie 2019 des Wissenschaftlichen Instituts der Privaten Krankenversicherung (WIP) hervor. In der jetzt vorliegenden Studie wird der Mehrumsatz auf Basis der neuesten vorliegenden Daten für das Jahr 2017 für die wichtigsten Leistungssektoren (ambulante, stationäre und zahnärztliche Versorgung sowie die Bereiche Heil- und Hilfsmittel und Arzneimittel) berechnet.

Die Ergebnisse der neuen Untersuchung sind eine jährliche Aktualisierung der seit 2006 vorgenommenen Analysen des WIP zu diesem Thema. In den letzten zehn Jahren (2007-2017) ist ein Anstieg der PVK-Arztpraxisumsätze um 2,75 Milliarden Euro zu verzeichnen, dies entspricht einem Umsatzplus von 26 Prozent. Der Kostenanstieg in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ist dabei seit Jahren deutlich höher als in der Privaten Krankenversicherung (PVK). In den letzten zehn Jahren (2007-2017) stiegen die Leistungsausgaben je Versicherten in der PKV um 38,2 Prozent, in der GKV aber um 45,6 Prozent.

Mehrumsatz in der ambulanten ärztlichen Versorgung

Der PKV-Mehrumsatz in der ambulanten ärztlichen Versorgung beträgt im Jahr 2017 für jede der 118.356 ambulanten Arztpraxen in Deutschland 54.319 Euro. Im Jahr 2016 lag der Mehrumsatz noch bei 52.572 Euro je ambulanter Praxis, was einem Anstieg von 1.747 Euro bzw. 3,3 % je Praxis entspricht.

Mehrumsatz in der stationären Versorgung

Die Ausgaben der Privatversicherten im Krankenhaus lagen im Jahr 2017 bei 10 Mrd. € (+3,2 % gegenüber 2016). Die GKV-Ausgaben für den stationären Bereich nahmen von 2016 auf 2017 um 2,7 % auf 74,90 Mrd. € zu. Gemessen an den gesamten hier betrachteten Leistungsausgaben lag der Anteil des stationären Sektors im Jahr 2017 bei Privatversicherten bei 28 % und in der GKV bei 41,4 %. In der GKV ist dieser Versorgungsbereich im Gegensatz zur PKV der ausgabenstärkste Bereich. 11,8 % aller Leistungen in der stationären Versorgung, die zu Lasten von privat und gesetzlich Versicherten abgerechnet werden, sind Privatversicherten zuzurechnen. Dieser Anteil liegt etwas über dem Anteil der Privatversicherten (10,6 %) in der Bevölkerung.

Die Autoren der Studie verweisen zudem auf einen engen Zusammenhang von Alterung und PKV-Mehrumsatz, woraus sich auch Auswirkungen auf die regionale Verteilung der Mehrumsätze ergeben. Es zeigt sich: Je älter das Durchschnittsalter der Privatversicherten in einer Region, desto höher der regional verbleibende Mehrumsatz. Da ländliche Regionen im Gegensatz zu städtischen Regionen in der Regel einen höheren Altersdurchschnitt aufweisen, entfällt ein überdurchschnittlicher Anteil des Mehrumsatzes auf diese Regionen. „Die WIP-Studie bestätigt damit die Untersuchung von Chaibi/Schulze Ehring (2019), nach der Ärzte auf dem Land besonders stark von Privatpatienten profitieren“, so die Autoren.

(map)
Zurück zur Startseite
Weitere Newsmeldungen
    • Ärzte blicken wieder optimistischer in die Zukunft
      Die Stiftung Gesundheit hat aktuell die Ergebnisse des Medizinklimaindex Herbst 2020 veröffentlicht. Befragt wurden dazu von der GGMA Gesellschaft für Gesundheitsmarktanalyse niedergelassene Ärzte, Zahnärzte und Psychologische Psychotherapeuten im Auftrag der Stiftung Gesundheit. Positiv sind steige...
      Mehr
    • Deutsches Bruttoinlandsprodukt erholt sich trotz Corona-Krise offensichtlich im Jahr 2020 besser als erwartet
      Die deutsche Wirtschaft hat nach Einschätzung der KonjunkturforscherInnen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) die Talsohle durchschritten. Dennoch, so die DIW-Forscher, ist der Weg zurück nach oben aber noch steinig. Nach dem knapp zweistelligen und historisch beispiellosen...
      Mehr
    • Experteninterview: Digitalisierung im Gesundheitssystem
      Professor Ferdinand Gerlach, Vorsitzender des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, spricht über die notwendige Digitalisierung unseres Gesundheitssystems - die Corona-Pandemie macht dies besonders deutlich. "In Deutschland haben wir eine stark risikoorientierte ...
      Mehr
    • Viele Arztpraxen und Apotheken wegen Corona-Krise in wirtschaftlicher Schieflage
      In einer aktuell von der Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank durchgeführten Umfrage bei 521 Fach- und Hausärzten, Apotheken und in Krankenhäusern zeigen sich viele wirtschaftliche Probleme der Heilberufler. Die ersten Effekte der virusbedingten Einschränkungen auf den beruflichen Alltag sind berei...
      Mehr
    • PwC-Healthcare-Barometer 2020 erschienen
      Das neue PwC-Healthcare-Barometer 2020 ist jetzt veröffentlicht worden. Der repräsentativen Studie zufolge halten die deutschen Krankenversicherten die Digitalisierungsstrategie der Bundesregierung für richtig. Diese Neuregelungen, insbesondere die Fortführung des Innovationsfonds, die Digitalisieru...
      Mehr
    • Einheits-Gebührenordnung von Wissenschaftlicher Kommission abgelehnt
      Wissenschaftler empfehlen für das duale deutsche Gesundheitssystem keine gemeinsame Honorarordnung mit einheitlichen Preisen. Dies geht aus einem Ende Januar 2020 vorgelegten Bericht der Wissenschaftlichen Kommission für ein modernes Vergütungssystem (KOMV) hervor. Dazu erklärt Florian Reuther, Dire...
      Mehr
    • Warum meiden deutsche Ärzte die Landpraxis?
      Eine Erklärung für den Landarztmangel liefert nun eine neue repräsentative Umfrage des Berliner Meinungsforschungsinstituts Civey. Bei der vom Verband der Privaten Krankenkassen (PKV) in Auftrag gegebenen Studie wurden 1.000 Ärzte gefragt, welche Kriterien ihnen bei der Wahl eines Praxisstandorts be...
      Mehr
    • Healthcare-Barometer 2019: Immer mehr Bundesbürger äußern Kritik an niedergelassenen Ärzten
      Immer mehr Bundesbürger äußern Kritik an niedergelassenen Ärzten. Grund ist, dass sich sich die Mediziner zu wenig Zeit für die Behandlung nehmen. Dies ist eines der zentralen Umfrage-Ergebnisse des "Healthcare-Barometers 2019", einer repräsentativen Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsges...
      Mehr
Zum Archiv

Quellen-URL (abgerufen am 08.05.2021 - 06:59): http://www.neuromedizin.de/Verschiedenes/WIP-Studie-2019--Privatpatienten-sichern-erneut-Mehrumsatz-p.htm
Copyright © 2014 | http://www.neuromedizin.de ist ein Dienst der MedienCompany GmbH. | Medizin-Medienverlag | Amselweg 2, 83229 Aschau i. Chiemgau | Geschäftsführer: Beate Döring | Amtsgericht Traunstein | HRB 19711 | USt-IdNr.: DE 223237239