Kardiale autonome Neuropathie ist Prädiktor für Stürze bei Parkinson-Patienten
Eine kardiale autonome Neuropathie, einschließlich der orthostatischen Hypotonie, ist ein eindeutiger unabhängiger Prädikator für Sturzereignisse bei Patienten mit Morbus Parkinson. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler des Department of Neuroscience „Rita Levi Montalcini“ der Università degli Studi di Torino in Turin, Italien, in einer 12-monatigen prospektiven Studie mit 50 konsekutiven Parkinson-Patienten. Alle Probanden wurden mit Hilfe einer standardisierten Testbatterie, der Unified Parkinson's Disease Rating Scale, des Push and Release Tests (P&R-Test), des Timed up and go-Tests, des FOG (= freezing of gait)-Fragebogens und des MoCA (= Montreal cognitive assessment) untersucht. Außerdem führten die Wissenschaftler Untersuchungen hinsichtlich des Schweregrades der Dyskinesie und dem Auftreten von REM-Schlaf-Verhaltensstörungen (RBD) durch. Der Nachbeobachtungszeitraum lag bei 12 Monaten. Die Auswertung des gesammelten Datenmaterials ergab, dass die Prävalenz der kardialen autonomen Neuropathie bei den Parkinson-Patienten der Studie bei 38 % lag. Zu Beginn der Studie gaben 36 % der Patienten an, in den vorangegangenen 6 Monaten mindestens ein Mal gestürzt zu sein. Nach dem Follow-up von 12 Monaten waren es bereits 56 % der Patienten, die von einem Sturzereignis berichteten. Nach Adjustierung für das Lebensalter, die axialen Symptome und die dopaminerge Behandlung zeigte sich, dass eine kardiale autonome Neuropathie mit einer 15-fach höheren Wahrscheinlichkeit für Stürze assoziiert war, wobei die orthostatische Hypotonie das häufigste Merkmal der kardialen autonomen Neuropathie war. Doch auch die Ergebnisse des P&R-Tests, das Vorliegen von RBDs und die Resultate des FOG waren unabhängig mit einer höheren Sturzwahrscheinlichkeit assoziiert. Eine kardiale autonome Neuropathie, einschließlich der orthostatischen Hypotonie, ist ein unabhängiger Prädikator für Sturzereignisse bei Patienten mit Morbus Parkinson, so die Autoren. Die Forscher halten weiterführende Studien für erforderlich, um zu untersuchen, inwieweit pharmakologische und nicht-pharmakologische Therapien, die auch gegen eine autonome Dysfunktion gerichtet sind, das Risiko für Stürze verringern können.
(drs)
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