Neue Literaturstudie zum Tolosa-Hunt-Syndrom bei Kindern und Jugendlichen
Das Tolosa-Hunt-Syndrom ist eine granulomatös-entzündliche Erkrankung der Fissura orbitalis superior und des Sinus cavernosus unbekannter Ätiologie. Wissenschaftler des Department of Neurology, Federal University of Delta of Parnaíba in Fátima, Parnaíba, Brasilien, haben kürzlich im Rahmen einer Literatur-Studie genauer untersucht, welche klinischen und epidemiologischen Merkmale das Tolosa-Hunt-Syndrom im Kindes- und Jugendalter aufweist und welche Therapie hier in erster Linie Anwendung findet. Anhand der Schlagworte „Tolosa-Hunt syndrome and children" und "Tolosa-Hunt syndrome and adolescent" durchsuchten die Forscher alle größeren medizinischen Literaturdatenbanken nach Artikeln, die im Zeitraum zwischen 2009 und 2019 publiziert wurden. Es fanden sich 51 entsprechende Studien, nur 11 von ihnen mit insgesamt 8 Mädchen und 4 Jungen (Durchschnittalter 12,0 ± 4,3 Jahre) mit einem Tolosa-Hunt-Syndrom erfüllten allerdings die gesetzten Einschlusskriterien. Die Analysen ergaben, dass die MRT-Bildgebung eine Entzündung im Sinus cavernosus (100 %), in der Orbita (25 %) und in der superioren orbitalen Fissur (8,3 %) zeigte, und zwar bei allen Patienten unilateral. Außerdem fand sich eine Verletzung der A. carotis interna (58,3 %) und des III., des VI. und des IV. Hirnnerven (66,7 %, 33,3 % und 25 %). Die Kopfschmerzen der Patienten waren ipsilateral zur Nervenbeteiligung im Bereich der Orbita-Region lokalisiert und wiesen eine leichte bis mittel-schwere Intensität auf. 91,7 % der Kinder und Jugendlichen wurden mit Kortikosteroiden behandelt. Die Nachbeobachtungszeit der Patienten lag im Mittel bei 13,4 ± 12 Monaten und nur 2 dieser Kinder entwickelten ein Erkrankungsrezidiv. In dieser Studie konnte gezeigt werden, dass das Tolosa-Hunt Syndrom bei Kindern und Jugendlichen eher selten anzutreffen ist, es aber für Pädiater deshalb umso wichtiger ist, Kenntnisse über die klinischen und epidemiologischen Merkmale dieser Erkrankung und die Therapieoptionen zu erlangen, so die Autoren.
(drs)
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