Neu fundierte Diagnose: Pupillenerweiterung sind bei akut depressiven Patienten geringer als bei gesunden Menschen

Seit Jahrzehnten versuchen Wissenschaftler herauszufinden, ob depressive Patienten Belohnungen weniger wertschätzen als nicht-depressive Probanden. Studienteilnehmer im Münchner Max-Planck-Institut für Psychiatrie (MPG) absolvierten im Rahmen einer Studie im Magnetresonanztomographen (MRT) ein einfaches Spiel, bei dem sie einen kleinen Geldbetrag gewinnen konnten. Ein klarer Anreiz, der bei Gesunden zur Erweiterung der Pupille führt. Dabei haben die Forscher die Pupillen ihrer Studienteilnehmer extrem genau und mit extrem hohem Tempo vermessen: Mit einem speziellen Versuchsaufbau konnten sie 250 Bilder pro Sekunde aufnehmen – zum Vergleich, wir blinzeln überhaupt nur alle vier bis sechs Sekunden. Das Ergebnis: Die MPG-Forscher konnten jetzt erstmals die Verbindung zwischen einer Pupillenerweiterung als Reaktion auf eine zu erwartende Belohnung und dem Schweregrad der Depression der jeweiligen Testperson nachweisen.

Pupille

BU: Forschende können Pupille extrem präzise vermessen

© SharonMcCutcheon_Pixabay

Fundiertere Diagnosen als Ziel

Je schwerer die Symptome waren, desto weniger weit öffneten sich die Pupillen. Die Studie zeigt, dass die Aussicht auf eine Belohnung bei schwer depressiven Patienten nicht zur gleichen Verhaltensaktivierung führt wie bei Gesunden. Ihr Nervensystem kann sich selbst bei so einer positiven Erwartung weniger stark aktivieren. „Wir vermuten, dass dahinter ein physiologisches System steht, das die oft berichtete Antriebsstörung bei Patienten teilweise erklären kann“, sagt Studienleiter Victor Spoormaker. Die MPG-Forscher gehen davon aus, dass psychiatrische Erkrankungen anders aufgeteilt werden sollten als in die bisherigen Diagnosegruppen. Maßgebend wären biologische Faktoren wie die Pupillenerweiterung, die klar messbar sind. Depressive Patienten, die mit ihren Pupillen weniger stark reagieren, würden eine eigene Untergruppe bilden. „Dann könnten wir diese Patienten medikamentös auch zielgerichteter behandeln“, so die Einschätzung von Spoormaker.

Quelle: Auszug aus PI Max-Planck-Institut für Psychiatrie (MPG), 26.11.2020

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