Keine Verbesserung der Behinderung bei Multipler Sklerose durch hochdosiertes Biotin
Französische Wissenschaftler der Service de Neurologie des Centre Hospitalier Universitaire de Nantes (CHU) und des CHU Pontchaillou in Rennes sind kürzlich im Rahmen einer prospektiven Studie der in den letzten Monaten viel diskutierten Frage nachgegangen, ob eine hochdosierte Biotin-Supplementierung bei Patienten mit einer progressiven Multiplen Sklerose (MS) ein Voranschreiten der Behinderung rückgängig machen kann. Teilnehmer der Studie waren 178 Patienten mit einer progressiven MS, bei denen im Zeitraum zwischen 3. Juni 2015 und 15. September 2017 in den Krankenhäusern in Nantes und in Rennes mit einer Biotin-Therapie begonnen wurde. Zu Beginn der Behandlung sowie nach 6 und nach 12 Monaten wurden bei jedem Patienten der Grad der Behinderung sowie das subjektive Outcome gemessen bzw. bestimmt und Daten der MRT-Bildgebung sowie Angaben über unerwünschte Nebenwirkungen der Behandlung ausgewertet. Zu Studienbeginn waren die Patienten im Mittel 52,0 ± 9,4 Jahre alt, der durchschnittliche EDSS (= Expanded Disability Status Scale)-Score lag bei 6,1 ± 1,3 und die Erkrankungsdauer bei 16,9 ± 9,5 Jahren. Nach 12 Monaten Biotin-Supplementierung zeigte sich, dass 3,8 % der MS-Patienten einen verbesserten EDSS-Score hatten. Unter Berücksichtigung weiterer Behinderungsskalen war dann allerdings zu beobachten, dass die Scores entweder stabil blieben oder sogar signifikant anstiegen. Insgesamt gaben 47,4 % der Patienten an, in Bezug auf ihre Behinderung stabil geblieben zu sein, 27,6 % verneinten eine Verbesserung und 25 % beschrieben eine Verschlechterung des Zustandes. Die weiteren Analysen ergaben, dass 4 Studienteilnehmer (2,2 %) in den 12 Monaten einen Rückfall hatten. Von den 74 Patienten (41,6 %), bei denen eine MRT durchgeführt wurde, hatten außerdem 20 (27,0 %) neue T2-Läsionen und 8 (10,8 %) Gadolinium-anreichernde Läsionen. Insgesamt 25 Personen (14 %) schließlich berichteten über unerwünschte Nebenwirkungen der Biotin-Gabe. Den Ergebnissen dieser Studie zufolge scheint bei Patienten mit einer progressiven Multiplen Sklerose eine hochdosierte Biotin-Supplementierung nicht mit einer eindeutigen Verbesserung der Behinderung assoziiert zu sein, so die Autoren.
(drs)
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