Gibt es ein erhöhtes Krebsrisiko durch eine Therapie mit Fingolimod, Natalizumab und Rituximab bei Patienten mit Multipler Sklerose?

Bis heute gibt es offenbar keine Evidenz von großen Vergleichsstudien bezüglich der Sicherheit, z. B. hinsichtlich möglicher Krebserkrankungen, im Rahmen einer Therapie mit Fingolimod, Natalizumab und Rituximab bei Patienten mit Multipler Sklerose (MS). Dieser Fragestellung sind nun jedoch schwedische Wissenschaftler des Karolinska Institute in Stockholm in einer landesweiten register-basierten Kohortenstudie auf den Grund gegangen. Die Forscher verknüpften die Daten des schwedischen MS-Registers mit denen des schwedischen Krebsregisters sowie anderen Listen der Gesundheitsversorgung und Konsens-Registern. In die Studie eingeschlossen wurden 6.135 bezüglich des Lebensalters, Geschlechts und des Wohnortes übereinstimmende Patienten mit einer MS, von denen 4.187 zum ersten Mal mit Rituximab, 1.620 mit Fingolimod und 1.670 mit Natalizumab behandelt wurden. Als Kontrollgruppe dienten 37.801 gesunde Personen der Allgemeinbevölkerung. Primäres Endziel war die Zeit bis zum Auftreten einer invasiven Krebserkrankung. Die Auswertung des gesammelten Datenmaterials ergab, dass innerhalb der Gruppe der MS-Patienten 78 Personen eine invasive Tumorerkrankung entwickelten. 33 von ihnen waren mit Rituximab behandelt worden (Inzidenzrate pro 10.000 Personenjahre = 34.4, 95% Konfidenzintervall [CI] = 23.7-48.3), 28 erhielten Fingolimod (Inzidenzrate pro 10.000 Personenjahre = 44.0, 95% CI = 29.2-63.5) und 17 Natalizumab (IR = 26.0, 95% CI = 15.1-41.6). Die Inzidenzrate in der Allgemeinbevölkerung lag bei 31.0 (95% CI = 27.8-34.4). Nach Adjustierung für Basismerkmale fand sich kein Unterschied in Bezug auf das Tumorrisiko zwischen der Rituximab- sowie der Natalizumab-Gruppe und der Allgemeinbevölkerung, aber im Vergleich zu den gesunden Personen und den mit Rituximab therapierten MS-Patienten möglicherweise ein höheres Risiko für die mit Fingolimod behandelten Studienteilnehmer (Hazard ratio = 1.53, 95% CI = 0.98-2.38 bzw. HR = 1.68, 95% CI = 1.00-2.84).

In dieser ersten großen Vergleichsstudie mit 3 hoch-effektiven Therapieoptionen der Multiplen Sklerose konnte gezeigt werden, dass unter der Behandlung mit Rituximab und Natalizumab im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung kein erhöhtes Risiko für eine invasive Krebserkrankung besteht, so die Autoren. Es fand sich den Experten zufolge jedoch ein zumindest leicht erhöhtes Tumorrisiko bei einer Behandlung mit Fingolimod im Vergleich zu einer Therapie mit Rituximab oder zur Allgemeinbevölkerung. Allerdings war es wiederum nicht möglich, dieses erhöhte Risiko einer spezifischen Tumorart zuzuordnen. Zur Validierung dieser Studienergebnisse schlagen die Forscher vor, noch weitere Studien zum Thema durchzuführen.

(drs)
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Quellen-URL (abgerufen am 25.11.2020 - 14:03): http://www.neuromedizin.de/Neurologie/Gibt-es-ein-erhoehtes-Krebsrisiko-durch-eine-Therapie-mit-Fi.htm
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