Welche klinische Signifikanz hat ein präoperatives leptomeningeales Enhancement des Hirnstammes beim Glioblastom?

Im Falle eines leptomeningeales Enhancement (LME) in der radiologischen Bildgebung besteht die Vermutung einer leptomeningealen Dissemination (LMD) von Tumorzellen, die eine Komplikation von Glioblastomen im Endstadium und mit einer schlechten Prognose assoziiert sind. In magnetresonanztomographischen Aufnahmen lässt sich nach einer operativen Glioblastom-Resektion allerdings gelegentlich ein Verschwinden des LME im Bereich des Hirnstammes beobachten. Da ein präoperatives LMD die Therapieindikation bei Patienten mit einem Glioblastom beeinflussen kann, sind japanische Wissenschaftler des Department of Neurosurgery, Graduate School of Medical Sciences, Kumamoto University, Kumamoto City, nun im Rahmen einer Studie der Frage nachgegangen, welche klinische Signifikanz das LME des Hirnstammes bei Patienten mit einem Glioblastom tatsächlich hat. Hierzu sammelten sie retrospektiv die klinischen und radiologischen Daten von 112 konsekutiven Patienten mit einem Glioblastom, die im Zeitraum zwischen 2017 und 2020 in ihrem Krankenhaus behandelt wurden. 9 der 112 Patienten (8 %) wiesen ein präoperatives LME des Hirnstammes auf.

Es zeigte sich, dass im Vergleich zu Tumoren ohne LME die Tumorgröße in der Gruppe mit dem LME signifikant mit dem präoperativen LME des Hirnstammes assoziiert war. Außerdem fand sich eine Tendenz hin zu einer Signifikanz bezüglich eines Zusammenhanges zwischen einer tiefen Tumorlokalisation und dem präoperativen LME des Hirnstammes. Bemerkenswerterweise zeigten 4 von 6 Patienten, bei denen wegen eines Glioblastoms mit einem LME des Hirnstammes eine Tumorresektion durchgeführt wurde, im postoperativen MRT ein Verschwinden des LME. Dies lässt nach Ansicht der Wissenschaftler vermuten, dass in diesen Fällen das LME kein Resultat der LMD ist. Die 4 genannten Patienten lebten außerdem länger als es bei Auftreten eines LMD zu vermuten gewesen wäre. Das Verschwinden der LME konnte allerdings nicht nach einer Biopsie oder einer Radiochemotherapie beobachtet werden.

Diese Studienergebnisse legen die Vermutung nahe, dass ein präoperatives leptomeningeales Enhancement nicht notwendigerweise ein Hinweis auf eine nicht behandelbare leptomeningealen Dissemination sein muss, so die Autoren.

Viel eher könne die LME nach einer operativen Tumorresektion auch wieder verschwinden. Die Experten glauben deshalb, dass ein transientes präoperatives LME durch andere Mechanismen, wie ein beeinträchtigter venöser Fluss aufgrund von intratumoralen arteriovenösen Shunts, verursacht sein könnte, welches dann nach Verringerung der Tumorlast wieder verschwindet.

(drs)
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Quellen-URL (abgerufen am 15.06.2024 - 12:55): http://www.neuromedizin.de/Neuro-Radiologie/Welche-klinische-Signifikanz-hat-ein-praeoperatives-leptomen.htm
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