Apoplex: Einblick in die abgeriegelte Zone

Bei einem ischämischen Schlaganfall verschließt ein Blutgerinnsel ein Gefäß und verhindert die ausreichende Durchblutung des dahinterliegenden Areals. Dadurch kommt es zu einer Mangelversorgung vor allem mit Sauerstoff und die betroffenen Nervenzellen sterben ab. Die Vermutung, dass sich in der abgeriegelten Zone weitere pathologische Mechanismen abspielen, die einen entscheidenden Einfluss auf das Absterben von Hirngewebe, also das Voranschreiten des Hirninfarkts haben, konnten nun Wissenschaftler der Universitätsklinik Würzburg (UKW) in einer Studie nachweisen. Für das Forschungsvorhaben wurde ein aufwändiges Protokoll entwickelt, um winzige Gehirnblutproben standardisiert gewinnen zu können und diese direkt danach sehr nah am Angiographie-OP im Neuroimmunologischen Labor der Neurologischen Klinik des UKW zu analysieren. Damit konnten die Wissenschaftler erstmals im Menschen Botenstoffe der Entzündung und vor allem eine Invasion der abgeriegelten Zone durch Immunzellen, insbesondere Granulozyten und Lymphozyten, nachweisen. Laut den Forschern ermöglicht die von ihnen etablierte Technik der Probenentnahme von Gehirnblut direkt während des akuten Schlaganfalls das Studium weiterer zentraler Entzündungsmediatoren, die am Infarktwachstum beteiligt sind.

Für die Zukunft zeichnet sich dadurch für die Schlaganfalltherapie eine neue Strategie ab. Ein entzündungshemmendes Medikament wird dem Schlaganfallpatienten möglichst frühzeitig verabreicht, idealerweise schon durch den Notarzt vor dem Eintreffen im Krankenhaus, um das Absterben des Gehirns zu bremsen bis der Blutfluss durch die operative Wiedereröffnung des Gehirngefäßes wiederhergestellt wird. Zum Wirkungsort innerhalb des abgeriegelten Areals kann das Präparat über Umgehungskreisläufe, die sogenannten Kollateralwege gelangen, mit denen der Körper für eine gewisse Restdurchblutung sorgt, bevor die Nervenzellen endgültig absterben.

Die Forschungsergebnisse wurden im Januar 2020 in „Annals of Neurology" veröffentlicht.

An der Studie beteiligt waren die Forscher des UKW Dr. Alexander Kollikowski, Dr. Michael. Schuhmann, Prof. Dr. Bernhard Nieswandt, Prof. Dr. Wolfgang Müllges, Prof. Dr. Guido Stoll, Prof. Dr. Mirko Pham

Originalarbeit:

Local leukocyte invasion during hyperacute human ischemic stroke.

Quelle: PI des Universitätsklinikums Würzburg

(bd)
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