Extrem früher Beginn einer Temozolomid-Therapie verlängert Überleben von Patienten mit Glioblastomen ohne Voroperation
Bei Patienten mit einem neu diagnostizieren Glioblastom bietet ein extrem früher therapeutischer Beginn des oral oder intravenös zu verabreichenden Zytostatikums Temozolomid (TMZ) offenbar deutliche Überlebensvorteile, und zwar insbesondere für diejenigen Patienten, bei denen noch keine komplette Tumorresektion durchgeführt wurde. Dies konnten Wissenschaftler des Department of Neurosurgery, Beijing Tiantan Hospital, Capital Medical University in Beijing, China, vor Kurzem in einer retrospektiven Studie mit 375 Glioblastom-Patienten, die im Zeitraum zwischen 2012 und 2018 in ihren klinischen Einrichtungen behandelt wurden, zeigen. 163 Patienten erhielten, basierend auf dem Standard-Stupp-Schema, innerhalb von 7 Tagen nach der Kraniotomie eine Therapie mit TMZ (SEG-Gruppe = super-early group), die übrigen 212 Patienten unterzogen sich ausschließlich dem gängigen Standard-Stupp-Therapieschema (Kontrollgruppe). Um die Patienten-Stichprobenverzerrung zwischen beiden Gruppen zu verringern, führten die Forscher das Propensity Score Matching (PSM) durch. Es zeigte sich, dass vor dem PSM sowohl das progressionsfreie Überleben (PSF) als auch das Gesamtüberleben (OS) in der SEG-Gruppe länger war als in der Kontrollgruppe (PFS: 11,5 versus 9 Monate und OS: 23 versus 17 Monate). Nach dem PSM war die klinische Wirksamkeit des extrem frühen Beginns der TMZ-Therapie nur noch hinsichtlich des OS signifikant. Dies konnte auch in einem weiterführenden Cox-proportionalen Hazard Modell validiert werden. Subgruppen-Analysen ergaben, dass vor allem Patienten ohne vorherige komplette Tumorresektion (GTR = gross total resection) oder mit einer O6-Methylguanin-DNA-Methyltransferase-Promotor-Methylierung von einer extrem frühen Temozolomid-Therapie hinsichtlich des PFS und des OS profitierten konnten. Signifikante Unterschiede bezüglich notfallmäßig therapiebedürftiger unerwünschter Nebenwirkungen waren zwischen beiden Gruppen nicht zu beobachten. Ein extrem früher Beginn einer Temozolomid-Therapie kann insbesondere bei nicht voroperierten Patienten mit einem Glioblastomen die Gesamtüberlebensdauer verbessern, so die Autoren.
(drs)
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Quellen-URL (abgerufen am 20.07.2019 - 06:54): http://www.neuromedizin.de/Neuro-Onkologie/Extrem-frueher-Beginn-einer-Temozolomid-Therapie-verlaengert.htm
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