Subkutane Apomorphin-Dauerinfusion auch bei Parkinson-Patienten mit kognitiver Dysfunktion effektiv
Ein Einsatz der subkutanen Apomorphin-Dauerinfusion (CAI = Continuous apomorphine infusion) in der Therapie von Parkinson-Patienten mit einer kognitiven Dysfunktion, visuellen Halluzinationen und/oder einer orthostatischen Hypotension, ist umstritten. Wissenschaftler des Parkinson Expertise Center des University Medical Center Groningen, Niederlanden, haben kürzlich im Rahmen einer Studie die Effektivität und Sicherheit der CAI bei älteren Patienten mit Morbus Parkinson und begleitender kognitiver Dysfunktion nochmals genauer untersucht. Teilnehmer waren 45 fluktuierende Parkinson-Patienten im durchschnittlichen Alter von 70,9 ± 8,1 Jahren und einer mittleren Erkrankungsdauer von 10,8 ± 4,8 Jahren, bei denen im Zeitraum zwischen November 2004 und 2016 in der Rehabilitationsabteilung des „Parkinson Expertise Center (RU-PEC) Groningen“ erstmalig eine subkutane Apomorphin-Dauerinfusion zum Einsatz kam. Alle Patienten litten unter einer kognitiven Dysfunktion, 71 % wiesen visuelle Halluzinationen und 26 % eine orthostatische Hypotension auf. Zuvor bestehende nicht-motorische Symptome der Parkinson-Krankheit wurden vor Beginn der CAI-Therapie so gut wie möglich behandelt. Es zeigte sich, dass das Apomorphin während des Aufenthaltes in der RU-PEC (im Durchschnitt 52 Tage) ohne Verschlechterung der visuellen Halluzinationen und der orthostatischen Hypotonie erfolgreich auftitriert werden konnte. Die mittlere tägliche Apomorphin-Dosis lag bei 66 ± 28 mg, wobei die tägliche Levodopa-Äquivalent-Dosis (LEDD) um 17 % verringert werden konnte. Die Dauer der ON- und OFF-Zeit verbesserte sich ebenfalls signifikant um + 2.36 h (25 %) bzw. - 1.66 h (- 45 %). In puncto Dyskinesie-Dauer waren dagegen keine Veränderungen zu beobachten. Im weiteren Langzeit-Verlauf (durchschnittlich 26 Monate) kam es dann allerdings bei 9 Personen zu einer Verschlechterung der visuellen Halluzinationen und bei 4 Patienten zu einer Zunahme der orthostatischen Hypotension. In 4 Fällen musste die Therapie daraufhin unterbrochen werden. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass die subkutane Apomorphin-Dauerinfusion auch bei Patienten im fortgeschrittenen Stadium der Parkinson-Erkrankung und einer konkomitanten kognitiven Dysfunktion, visuellen Halluzinationen und/oder einer orthostatischen Dysfunktion eine effektive Therapiemethode ist, so die Autoren.
(drs)
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