Weltweite Phase III Studie: Suche nach neuen Behandlungsansätzen bei Hirntumoren im Kindesalter

Die Deutsche Kinderkrebsstiftung (DKS) finanziert und fördert kliniknahe und patientenorientierte Forschungsprojekte. Damit sollen die Heilungschancen bei Hirntumoren im Kindesalter verbessert, sichere Behandlungen gewährleistet, neue Therapieansätze gefunden und Spätfolgen verringert oder völlig vermieden werden. Aktuell fördert die DKS mit 2,2 Mio. Euro die vom Hopp-Kindertumorzentrum Heidelberg (KiTZ) initiierte erste klinische Phase III Studie, um die besten Behandlungsmöglichkeiten bei bestimmten chronisch verlaufenden Hirntumorerkrankungen im Kindesalter zu untersuchen. Verglichen werden zwei Standard-Chemotherapien und eine zielgerichtete Therapie, um weltweit die wirksamste und die verträglichste Behandlung als Standardtherapie für die jungen Patienten zu etablieren. Die häufigsten Hirntumore bei Kindern sind Niedriggradige Gliome (Low Grade Glioma: LGG), eine Gruppe langsam wachsender Hirntumoren, die meist bei Kleinkindern auftreten und oftmals einen chronischen Verlauf nehmen. Die Überlebensrate zehn Jahre nach der Diagnose liegt bei 90 Prozent. Die Tumoren sind durch wechselnde Phasen von Wachstum und Stillstand gekennzeichnet. Viele Kinder benötigen im Laufe ihres Lebens daher mehrere, manchmal bis zu fünf verschiedene Therapien.

Die klinische Studie wird europaweit und in Australien in insgesamt 15 Ländern durchgeführt und die ersten Patienten sollen Anfang des Jahres 2021 eingeschlossen werden. KiTZ-Direktor Olaf Witt, der am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) die Klinische Kooperationseinheit Pädiatrische Onkologie leitet und leitender Oberarzt am Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD) ist zuversichtlich, dass die Studie die Behandlung für die jungen Patienten nachhaltig verbessern wird: „Durch die großen Fallzahlen und das randomisierte Design versprechen wir uns sehr belastbare Aussagen, um weltweit eine bessere und schonendere neue Standardtherapie für die jungen LGG Patienten einführen zu können.“ „Bislang gab es jedoch keinen systematischen Vergleich, inwieweit diese Therapie tatsächlich wirksamer und langfristig mit weniger Nebenwirkungen für die jungen Patienten verbunden ist, als die Chemotherapien“, erläutert Witt. Dazu werden rund 300 Patienten nach dem Zufallsprinzip einem von drei Behandlungsarmen zugeteilt: Einer Kombinationstherapie mit den üblicherweise bei LGG eingesetzten Chemotherapeutika Carboplatin und Vincristin, einer Behandlung mit dem Standard-Chemotherapeutikum Vinblastin und einer Therapie mit dem MEK-Hemmer Trametinib.

Hirntumore

BU: Niedriggradige Gliome (pediatric low-grade glioma, pLGG) sind die häufigste Hirntumorart bei Kindern.

Foto: © T. Milde/KiTZ

Eine verträglichere Therapieform könnten sogenannte MEK-Inhibitoren sein: Forschungsarbeiten um KiTZ-Direktor Stefan Pfister und Forschungsgruppenleiter David Jones haben eine Überaktivierung eines molekularen Signalwegs in den LGGs entdeckt, der die Zellvermehrung aus dem Ruder laufen und die Tumoren wachsen lässt. Die MEK-Inhibitoren wirken dieser Fehlregulation gezielt entgegen und zeigten in klinischen Phase I/II Studien mit LGG-Patienten bereits vielversprechende Ergebnisse.

Quelle: Auszug aus KITZ-PI "Welche Behandlung ist die beste bei Hirntumoren im Kindesalter? Weltweite Studie wird mit 2,2 Mio. Euro gefördert, 05.11.2020

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