Neues Nano-Immuntherapie-Medikament kann die Blut-Hirn-Schranke überwindenUS-Studienergebnisse bei Mäusen erfolgreich

Eine neue Studie eines Forscherteams vom Cedars-Sinai Medical Center, Los Angeles, USA, gibt Aufschluss darüber, wie Immuntherapien, die dem körpereigenen Immunsystem bei der Krebsbekämpfung helfen, eines Tages direkt an das Gehirn abgegeben werden könnten, um Hirntumore zu behandeln. Die Wissenschaftler konnten an Mäusen zeigen, dass ein neues Nano-Immuntherapie-Medikament die Blut-Hirn-Schranke überwindet. Diese weist im Normalfall alle Fremdkörper ab, um das Gehirn etwa vor Infektionen zu schützen. Das Präparat durchbrach sogar die Schutzhülle, die Krebszellen um sich legen, um die Immunabwehr lahmzulegen. Bei den so behandelten Tieren stiegen die Überlebenschancen deutlich an.

Dem amerikanischen Forscher-Team um Julia Ljubimova vom Cedars-Sinai geht es bei der Studie um eine bessere Therapierbarkeit von Glioblastomen, der häufigsten Form von Hirntumoren, die schnell tödlich endet. "Mit unserer Arbeit haben wir einen vielversprechenden Weg zur Behandlung dieser Tumorart gewiesen", so Ljubimova. Bisher eingesetzte Mittel konnten die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden. "Obwohl wir unsere Experimente an Tieren gemacht haben, bringen sie uns einer Therapie für Menschen näher."

Stärkung der Immunabwehr

Seit Jahrzehnten wollen Forscher die körpereigene Abwehr stärken, um Krebs so vehement zu bekämpfen wie beispielsweise Viren, die Krankheiten auslösen. Besonders schwierig ist diese Art der Therapie bei Tumoren im Kopf, nicht nur wegen der Blut-Hirn-Schranke. Dazu kommt, dass Krebszellen an dieser Stelle das lokale Immunsystem unterdrücken können. Dabei handelt es sich um Regulatorische T-Zellen und spezielle Makrophagen. Auch diese müssen ausgeschaltet oder deaktiviert werden, soll eine Therapie wirken.

Es ist bereits gelungen, das Immunsystem des ganzen Körpers zu aktivieren, sodass gewissermaßen nebenbei auch der Hirntumor angegangen wird, wenn auch nicht mit aller Macht. Die neue Therapie verspricht dagegen eine Aktivierung der Immunabwehr im Kopf selbst. Das Medikament, ein Antikörper, der die Abwehr des Tumors schwächt und die Immunabwehr im Kopf aktiviert, wird mithilfe bioabbaubarer Kunststoffpartikel ins Gehirn transportiert, weil diese nicht als Fremdkörper erkannt werden.

(pte/map)
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