Neues Bio2Brain-Netzwerk will sichere Verabreichung von Biopharmazeutika im ZNS erforschen

Zugelassene Arzneimittel - allen voran Biopharmazeutika - werden derzeit häufig durch intrathekale, intrazerebroventrikuläre oder intraparenchymale Injektionen verabreicht und gelangen auf diese Weise direkt in das zentrale Nervensystem (ZNS). Leider weisen solche Verabreichungsformen einige Nachteile auf: sie sind invasiv, erfordern einen chirurgischen Eingriff mit hohen Risiken, führen zu einer geringen Therapietreue der Patienten und sind schlecht kontrollierbar. Es besteht daher ein dringender Bedarf an einem wirksameren neuen Ansatz, einem Paradigmenwechsel, für Technologien zur Medikamentenverabreichung bei der Behandlung von Erkrankungen des ZNS. Jetzt haben sich 20 Projektpartner aus Wissenschaft und Industrie im Netzwerk »Bio2Brain« zusammengeschlossen, um an einer effizienten Wirkstoffverabreichung bei Erkrankungen des ZNS zu forschen. Die große Herausforderung hierbei ist, dass das ZNS des menschlichen Körpers durch biologische Schutzmechanismen bestens abgeschirmt wird. Die Kehrseite ist jedoch, dass auch medizinische Wirkstoffe diese Barriere nur schwer überwinden können. Um eine Lösung für dieses Problem zu finden, will das Bio2Brain-Netzwerk einen Paradigmenwechsel in der Forschung einleiten und neue Ansätze erproben.

Fraunhofer IGB ist mit dabei

»Um diesen Wandel aktiv zu gestalten, haben wir nun das Netzwerk ›Bio2Brain‹ ins Leben gerufen«, erklärt Dr. Carmen Gruber-Traub vom Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB, die das Bio2Brain-Projekt leitend koordiniert. »Gefördert wird das Netzwerk im Rahmen der Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen (MSCA) des EU-Forschungsförderprogramms Horizont 2020, die aufgrund ihres Bottom-up-Ansatzes und ihrer wissenschaftlichen Exzellenz sehr beliebt, aber auch äußerst kompetitiv sind. Deswegen freuen wir uns sehr, dass wir uns diese Förderung sichern konnten.« Die Förderung ist zunächst auf vier Jahre festgelegt.

Zwei der insgesamt 13 geförderten Nachwuchsforschender (ESR) nehmen am Fraunhofer IGB ihre Arbeit auf. Die beiden ESR forschen dabei an Formulierungen bzw. neuen biobasierten Materialien für den Transport von Biopharmazeutika über die Schleimhäute in das ZNS. Der Schwerpunkt des Instituts liegt hierbei auf der Materialforschung, da innerhalb des Bio2Brain-Netzwerks auch neue Materialien für die Herstellung von Partikeln und neue Hydrogele entwickelt werden.

Quelle: PI Fraunhofer IGB, 12. November 2020

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