Hirnforschung: Erste vollständige Kartierung der zerebralen und funktionellen Lateralisation

Als Lateralisation des Gehirns bezeichnet man die neuroanatomische Ungleichheit und funktionale Aufgabenteilung und Spezialisierung der Großhirnhemisphären. Das Gehirn der meisten höheren Organismen ist morphologisch betrachtet bilateralsymmetrisch aufgebaut. (Wikipedia)

Einem französisch-italienischen Forschungsteam unter der Leitung des CNRS-Forschers Michel Thiebaut de Schotten vom Institut für Erkrankungen des Gehirns und des Rückenmarks (AP-HP/CNRS/Inserm/Sorbonne Universität) ist es gelungen, die Frage durch die erste vollständige Kartierung der Lateralisation von Hirnfunktionen, zu beantworten. Einige Prozesse werden demnach bevorzugt von der rechten oder der linken Gehirnhälfte durchgeführt. Aber für welche Funktion ist welche Hemisphäre zuständig? Diese Forschungsergebnisse der Wissenschaftler wurden jetzt in der renommierten Fachzeitschrift Nature Communications publiziert. Die neuen Erkenntnisse zeigen erstmals, dass Entscheidungen, wie die Wahrnehmung, Handlungen und Emotionen, stärker von der rechten Hemisphäre gesteuert werden. Im Gegensatz dazu erfolgt die symbolische Kommunikation verstärkt in der linken Hemisphäre. Seit mehr als 15 Jahren haben der CNRS-Forscher Michel Thiebaut de Schotten und seine Kollegen an der Universität von Padua, Italien weltweit funktionelle MRI-Daten gesammelt, um die erste globale Karte der Lateralisierung der Gehirnfunktion erstellt.

BrainMap

BU: Zerebrale funktionelle Lateralisierung, dargestellt in einem 4-dimensionalen Raum entlang der symbolischen Kommunikationsachse (grün), der Wahrnehmungs- / Aktionsachse (Cyan), der Emotionsachse (pink) und der Entscheidungsachse (gelb). (©) Karoliset al./Nature Communications

Die Forschungsergebnisse deuten, so die Studienautoren, darauf hin, dass die Lateralisierung der Gehirnfunktionen auf vier Funktionsachsen verteilt ist: symbolische Kommunikation, Wahrnehmung/Aktion, Emotion und Entscheidungsfindung. Die Ähnlichkeit zwischen diesem Befund und den jüngsten Arbeiten zu neurologischen Symptomen führt zu neuen Hypothesen zu den Mechanismen, die die Heilung des Gehirns nach einer Gehirnläsion unterstützen.

Originalarbeit:
The architecture of functional lateralisation and its relationship to callosal connectivity in the human brain. Autoren: Karolis VR, Corbetta M & Thiebaut de Schotten M. Nature Communications, March 29, 2019.

Quellen: Abteilung für Wissenschaft und Technologie Französische Botschaft in Berlin/idw

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Quellen-URL (abgerufen am 20.02.2020 - 11:31): http://www.neuromedizin.de/Forschung/Hirnforschung--Erste-vollstaendige-Kartierung-der-zerebralen.htm
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