Screening auf Trichotillomanie und Dermatillomanie bei Kindern und Jugendlichen mit Tourette-Syndrom?
Schon längere Zeit vermuten Wissenschaftler, dass die im Kindesalter beginnende Trichotillomanie sowie Dermatillomanie und die Zwangsstörungen (OCD = obsessive-compulsive disorder) sowie das Tourette-Syndrom (TS) eine gemeinsame genetische Disposition und zugrunde liegende Pathophysiologie haben. Eine Forschergruppe des Department of Psychiatry, Massachusetts General Hospital in Boston, MA, USA, hat nun im Rahmen einer Studie die Prävalenz der Trichotillomanie und der Dermatillomanie (DSM-5-Kriterien) bei Patienten mit einem Tourette-Syndrom genauer bestimmt und versucht, diejenigen klinischen Faktoren zu ermitteln, die bei den TS-Patienten am meisten mit den Komorbitäten assoziiert sind. Teilnehmer waren 811 Personen mit einem Tourette-Syndrom, die in verschiedenen Spezialklinken behandelt wurden und an einer multizentrischen genetischen Studie teilnahmen. Alle Patienten wurden mittels standardisierter, validierter semi-strukturierter Interviews untersucht, die Prävalenzen der Trichotillomanie und der Dermatillomanie wurden auf Basis von Antworten eines Fragebogens errechnet und die klinischen Prädiktoren ermittelt. 3,8 % der TS-Patienten erfüllten die DSM-5-Kriterien für eine Trichotillomanie und 13,0 % für eine Dermatillomanie. In univariablen Analysen zeigte sich, dass das weibliche Geschlecht, eine OCD sowie der Schweregrad der Tic- und der Zwangssymptome diejenigen Faktoren waren, die mit der Trichotillomanie und/oder Dermatillomanie assoziiert waren. Multivariable Analysen ergaben dann, dass nur der massivste Schweregrad der motorischen Tics signifikant mit einer Trichotillomanie assoziiert war. Das weibliche Geschlecht, eine begleitende OCD, ein ADHS-Syndrom und der Schweregrad der motorischen Tics blieben unabhängig mit einer Dermatillomanie assoziiert. Behandelnde Ärzte sollten bei Kindern mit einem Tourette-Syndrom aufgrund der hohen Prävalenz einer Trichotillomanie und Dermatillomanie und ihrer Assoziation mit einem erhöhten Schwergrad der Tics und einer OCD ein Trichotillomanie-Dermatillomanie-Screening durchführen, und zwar insbesondere bei weiblichen Patientinnen und denjenigen mit einer Zwangsstörung, so die Wissenschaftler.
(drs)
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