Ergebnisse der multizentrischen Studie SIOP-LGG 2004 zum primären niedrigmalignen Gliom der tectalen Platte im Kindesalter
Niedrigmaligne Gliome der tectalen Platten gehen häufig mit einer intrakraniellen Druckerhöhung einher, welches manchmal der erste Befund in der Bildgebung des Gehirns ist. Über prognostische Faktoren, die eine Aussage über das Outcome der betroffenen Kinder erlauben, ist bislang nur wenig bekannt gewesen. Wissenschaftler des Universitätskinderkrankenhauses in Zürich, Schweiz, des Klinikums Augsburg, der Medizinischen Universität in Wien, Österreich sowie der deutschen Universitäten von Münster, Würzburg und Bonn haben im Rahmen der so genannten „SIOP-LGG 2004“-Studie 71 Patienten mit einem primären niedrigmalignen Gliom der tectalen Platte im Zeitraum zwischen 2004 und 2012 untersucht und nachbeobachtet. Die Therapieoptimierungsstudie „SIOP-LGG 2004“ war eine internationale Therapieoptimierungsstudie, die zur Verbesserung der Prognose von Kindern und Jugendlichen mit einem niedrigmalignen Gliom durchgeführt wurde. Das Ziel der Studie war in erster Linie, die Therapie von Patienten mit einem niedrigmalignen Gliom weiter zu verbessern und therapiebedingte Nebenwirkungen zu reduzieren (Quelle: www.kinderkrebsinfo.de). Das Durchschnittsalter der Patienten zum Zeitpunkt der Tumor-Diagnose lag bei 9,7 Jahren und die durchschnittliche Nachbeobachtungszeit der Überlebenden bei 6,3 Jahren. 41 der 71 Kinder erhielten keinerlei Tumortherapie (12 mit und 29 ohne Biopsie). Die 10-Jahres-ereignisfreie Überlebensrate (EFS) betrug für Patienten mit einem initialen Tumorvolumen ≤ 3 cm3 56 % (± 7 % Standardfehler) und für Kinder mit einem Tumorvolumen >3 cm3 12 % (± 8 % Standardfehler). Die 10-Jahres-EFS für Patienten ohne Kontrastmittelanreicherung im initialen MRT lag bei 52 % (± 9 % Standardfehler) und für diejenigen mit Kontrastmittelanreicherung bei 23 % (± 9 % Standardfehler). Die 10-Jahres-Gesamtüberlebensrate schließlich lag bei 96 % (± 3 % Standardfehler). Ein Patient verstarb aufgrund der Tumorerkrankung, ein anderes Kind an den Folgen einer ventriculoperitonealen Shuntinfektion. Bei insgesamt 63 Patienten (89 %) musste mindestens einmal eine Liquorableitung durchgeführt werden. Das Fazit der Studienautoren: Mehr als die Hälfte aller Kinder mit einem primären niedrigmalignen Gliom der tectalen Platte konnte ohne spezifische Tumortherapie erfolgreich behandelt werden. Günstige prognostische Faktoren für die EFS waren ein initial kleines Tumorvolumen (≤ 3cm3) und das Fehlen einer initialen Kontrastmittelanreicherung im MRT. Das Gesamtüberleben war sehr gut.
(drs)
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