Wirkstoff Cannabidiol für Therapie der frühkindlichen Epilepsie zugelassen- Warnung des DGKN vor zu großen Erwartungen

Der Wirkstoff Cannabidiol, der aus der Cannabispflanze gewonnen wird, hat vor einigen Wochen die Zulassung für die Therapie des Dravet-Syndroms und des Lennox-Gastaux Syndroms von der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA erhalten. Die Erweiterung der Therapieoptionen wird von der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung e. V. (DGKN) generell begrüßt, sie weist aber gleichzeitig auf die relevanten Nebenwirkungen hin. Da der Wirkstoff aus der Cannabis-Pflanze gewonnen wird, gilt er manchen Eltern als sanftes Naturprodukt. „Das ist ein Irrtum“, sagt Professor Dr. med. Felix Rosenow, Leiter des Epilepsiezentrums Frankfurt Rhein-Main der Goethe Universität Frankfurt/Main. „Ob eine Substanz pflanzlich oder synthetisch hergestellt ist, hat keinen Einfluss darauf, wie wirksam oder wie verträglich sie ist“. In den Studien, die der Zulassungsentscheidung zugrunde liegen, habe Cannabidiol sich zwar als wirksam erwiesen und die Zahl der motorischen epileptischen Anfälle um rund die Hälfte gesenkt. Etliche Kinder hätten jedoch mit Nebenwirkungen wie starker Müdigkeit, Fieber, Appetitlosigkeit und Durchfall zu kämpfen gehabt - bei einem Teil der Kinder habe Cannabidiol deshalb oder aufgrund erhöhter Leberwerte wieder abgesetzt werden müssen. Auf die geistige Entwicklung der kleinen Patienten hat vermutlich auch der neue Wirkstoff keinen Einfluss.

Durchschnittlich sind 5 von 1.000 Kindern von irgendeiner Form der Epilepsie betroffen, was allerdings oftmals erst sehr spät entdeckt wird. Eine Möglichkeit, um die Epilepsie-Diagnose zu beschleunigen und die therapeutische Betreuung gerade in ländlichen Gebieten zu verbessern, sieht die DGKN in der Telemedizin: Die DGKN hat Richtlinien für die Umsetzung solcher Telekonsile aufgestellt und begleitet die bereits angelaufenen Tele-EEG-Projekte mit Studien. So soll die Behandlungsqualität ebenso gesichert sein wie beim direkten Arztkontakt – denn eine frühe Diagnose und eine konsequente Therapie können den Lebensweg eines Epilepsie-Patienten entscheidend beeinflussen.

Quelle: PI der DGKN

(bd)
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