Sturz-assoziierte Frakturen: Häufige und relevante Komplikation bei Patienten mit Morbus Parkinson

Wissenschaftler der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main und der Philipps-Universität Marburg sind kürzlich im Rahmen einer retrospektiven monozentrischen Studie der Frage nachgegangen, wie häufig es bei Patienten mit einem Morbus Parkinson zu Sturz-assoziierten Frakturen kommt und ob diese besondere Muster aufweisen. Außerdem analysierten sie nachfolgende stationäre Aufenthalte der betroffenen Patienten sowie das jeweilige therapeutische Vorgehen bei entsprechenden Frakturen und diskutierten wichtige pathognomische und therapeutische Aspekte. Teilnehmer der Studie waren 145 Parkinson-Patienten mit Sturz-assoziierten Frakturen, deren Daten im Zeitraum zwischen 2007 und 2017 im Krankenhausinformationssystem des Universitätskrankenhauses Frankfurt am Main dokumentiert wurden. Patienten mit unklarer oder falsch nach ICD-10 kodierter Parkinson-Diagnose waren von der Studie ausgeschlossen. Das durchschnittliche Alter der Studienteilnehmer lag bei 77,7 Jahren, 57,9 % waren Frauen (n = 84). Die Analysen ergaben, dass es bei den Probanden zu insgesamt 151 Frakturen kam, wobei 140 Patienten (96,6 %) eine Fraktur, 4 Personen (2,8 %) zwei Knochenbrüche und ein weiterer Patient (0,6 %) drei Frakturen gleichzeitig erlitten. In 43,9 % der Fälle (n = 65) waren die unteren Extremitäten betroffen, gefolgt vom Körperstamm (38,1 %, n = 58) und den oberen Extremitäten (17,9 %, n = 27). Am häufigsten handelte es sich dabei um Schenkelhalsfrakturen (52,3 %, n = 34). Die Dauer des stationären Aufenthaltes betrug im Mittel 13,6 Tage und in 43,4 % der Fälle (n = 63) war ein vorübergehender Aufenthalt auf der Intensivstation erforderlich. Die durchschnittliche Liegedauer auf der Intensivstation lag bei 2,3 Tagen und die auf der Normalstation bei 10,5 Tagen. Außerdem zeigte sich, dass bei 75,9 % der Patienten (n = 110), die eine Sturz-assoziierte Fraktur erlitten hatten, operativ behandelt werden musste. Patienten, die sich einer Operation unterzogen, blieben dann auch deutlich länger in stationärer Behandlung als diejenigen, die konservativ behandelt wurden. Nicht zuletzt waren auch Frakturen der unteren und der oberen Extremitäten mit einem signifikant längeren stationären Aufenthalt assoziiert.

Das Fazit der Studienautoren: Sturz-assoziierte Frakturen sind eine häufige und relevante Komplikation bei Patienten mit einem Morbus Parkinson und führen zu einer steigenden Immobilität, zu häufigen Krankenhauseinweisungen und einer sofortigen chirurgischen Versorgung. Bei Parkinson-Patienten, die sich in der Notaufnahme oder beim Haus- und Facharzt mit einer Fraktur vorstellen, sollte immer auch ein Osteoporose-Checkup durchgeführt und eine Sturz-assoziierte Verletzung grundsätzlich als „Red flag“ betrachtet werden, um dann ein für den Patienten individuelles Therapieregime in die Wege zu leiten, so die Wissenschaftler.

(drs)
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Quellen-URL (abgerufen am 24.09.2021 - 02:29): http://www.neuromedizin.de/Neurologie/Sturz-assoziierte-Frakturen--Haeufige-und-relevante-Komplika.htm
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