Migräne-Prophylaxe: IQWiG erkennt bei bestimmten Migräne-Patienten beträchtlichen Nutzen beim monoklonalen Antikörper Erenumab- Wirkstoffklasse schaltet Botenstoff CGRP aus

Im Mai 2018 wurde der erste monoklonale Antikörper Erenumab zur Vorbeugung von Migräne vom Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) zur Zulassung empfohlen. Zugelassen wurde Erenumab im November 2018 als erstes Medikament einer neuen Wirkstoffklasse zur Prophylaxe von Migräne auch für den deutschen Markt. Der humane monoklonale Antikörper Aimovig® (Substanz: Erenumab, Novartis) gehört zu einer neuen Klasse von Medikamenten, die die Aktivität des Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) blockieren. Das Neuropeptid CGRP wirkt stark vasodilatativ und spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Migräneanfällen. Zugelassen ist Erenumab zur Prophylaxe der episodischen und chronischen Migräne, und zwar bei Erwachsenen mit mindestens vier monatlichen Migränetagen.

>Das IQWiG sieht in seiner Bewertung einen Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen nicht auf die episodische Migräne beschränkt.<

Wirkstoffklasse schaltet Botenstoff CGRP aus

Im Unterschied zur Akutbehandlung der Migräne gab es für die Prophylaxe der Migräne bislang keine speziellen Arzneistoffe. Zwar ist längst eine ganze Reihe von Medikamenten verfügbar. Diese wurden jedoch alle für andere Krankheitsbilder entwickelt, etwa für Depressionen oder Epilepsie. Seit langem ist bekannt, dass bei der Entstehung von Migräne ein bestimmter Botenstoff namens CGRP (Calcitonin Gene Related Peptide) eine zentrale Rolle spielt. Es sollte jedoch Jahrzehnte dauern, bis es gelang, ein Medikament zu entwickeln, das CGRPP ausschaltet, ohne gravierende Nebenwirkungen zu haben, urteilt das IQWIG. Erenumab ist der erste Vertreter einer neuen Wirkstoffklasse, die nun Marktreife erlangte. Sein Wirkmechanismus besteht darin, die Funktion des CGRP-Rezeptors im Gehirn zu hemmen. Das IQWiG sieht in seiner aktuellen Bewertung einen Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen nicht auf die episodische Migräne beschränkt.

Weniger Migränetage, geringere Beeinträchtigung

Wie die Auswertung der Daten der randomisierten kontrollierten Studie LIBERTY, auf der auch die Zulassung basiert, zeigt, konnten in der Erenumab-Gruppe bei deutlich mehr Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Zahl der Kopfschmerztage mindestens halbiert werden als in der Placebogruppe. Das gilt auch für die Zahl der Migräne-Anfälle, die jeweils mehrere Tage dauern können. Auch was die „allgemeine Beeinträchtigung“ durch Kopfschmerzen sowie die „Aktivitätsbeeinträchtigung“ betrifft, fallen die Ergebnisse zugunsten von Erenumab aus.

Einziges Kriterium ist Zahl der Kopfschmerztage

Zugelassen wurde Erenumab sowohl für die episodische als auch für die chronische Migräne. Auch die Studienergebnisse müssen nicht auf die episodische Migräne beschränkt bleiben, findet sich doch für den Wert „14 Tage“ zur Abgrenzung der episodischen von der chronischen Migräne in der Literatur keine medizinische oder andere inhaltliche Begründung. Zudem liegen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von LIBERTY im Übergangsbereich zwischen der episodischen und der chronischen Migräne.

In der Gesamtschau sieht das IQWiG deshalb für die Prophylaxe der Migräne einen Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen von Erenumab. Der G-BA beschließt nun über Ausmaß des Zusatznutzens.

Quelle: IQWiG

Entwickelt hat Novartis Erenumab zusammen mit dem US-Biotechnunternehmen Amgen. 2015 schlossen Novartis und Amgen ihre Kooperation zur Erforschung neuronaler Krankheiten wie Migräne und Alzheimer.

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