Langfristige Therapie mit Levodopa ohne zusätzliche Risiken

Die Behandlung mit Levodopa (L-Dopa) ist die derzeit wirksamste medikamentöse Standardtherapie der Parkinson-Erkrankung (PD). Die deutliche Verbesserung der Krankheitssymptomatik durch die Substitution von Dopamin ist bekannt. Allerdings wird die Einleitung und rechtzeitige Anpassung von Levodopa von vielen Neurologen und ihren Patienten oft verzögert, da u. a. vermutet wird, dass das Medikament toxisch sein könnte, ohne dass dies bisher durch klinische Studien belegt werden konnte. Weiterhin war nicht klar, ob die Therapie das Fortschreiten der Krankheit hemmt oder beschleunigt. In einer randomisierten, plazebokontrollierten, multizentrischen Doppelblindstudie untersuchten Wissenschaftler, ob eine frühzeitige Behandlung mit Levodopa eine vorteilhafte krankheitsmodifizierende Wirkung auf die Symptome der PD und die funktionelle Gesundheit hat. Die Ergebnisse der kürzlich im New England Journal of Medicine publizierten Studie „Delayed-start Trial Levodopa in Early Parkinson’s Disease“ (LEAP) belegen, dass die L-Dopa-Einnahme über zwei Jahre keine negativen Effekte hat. „Die klinische Bedeutung der Daten ist enorm, weil damit die Toxizitätsdiskussion um diese Substanz so gut wie beendet ist“, kommentiert Senior-Prof. Dr. Dr. h.c. Günther Deuschl, Parkinson-Experte vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel, Mitautor der Studie in der LEAP-Study-Group unter der Leitung von Dr. R.M.A. (Rob) de Bie, Amsterdam UMC, University of Amsterdam, Department of Neurology. Dass womöglich im weiteren Verlauf Fluktuationen und Dyskinesien früher auftreten, lässt sich durch die Studie jedoch nicht ausschließen. Der Verlust an Lebensqualität in den ersten Jahren der Erkrankung kann aber durch Levodopa am besten behandelt werden.“

Die LEAP-Studie hat gezeigt, dass die bewährte Therapie mit Levodopa langfristig sicher ist. Dennoch ist die Suche nach weiteren, neuen Therapien bei Morbus Parkinson besonders dringlich. Seit 1990 hat sich die Zahl der an Parkinson erkrankten Menschen mehr als verdoppelt, wie die publizierte „Global Burden of Disease“- Studie ergab. (Lancet Neurol. 2018 Nov;17(11):939-953)

Die Ätiologie der Erkrankung ist noch immer weitgehend unklar. Vermutet werden multifaktorielle Ursachen (genetisch, immunologisch, metabolisch oder umweltbedingt), einer der bekannten Hauptrisikofaktoren ist das Alter. Mit zunehmender Alterung der Industriegesellschaften hat die Erkrankung eine wachsende sozioökonomische Relevanz erhalten – Grund genug, die Forschungsaktivitäten zur Ätiologie, auch selteneren (genetischen) Krankheitsursachen und individualisierten Therapiemöglichkeiten zu intensivieren, betont Prof. Christine Klein, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und u. a. auch Mitglied der DFG-Senatskommission für Grundsatzfragen in der Klinischen Forschung. „Wir brauchen klinische Forschung mit hochwertigen randomisierten Studien wie die LEAP-Studie. Von besonderer Wichtigkeit ist aber auch die Grundlagenforschung. Erst wenn die Ätiologie grundlegend verstanden ist, können zusätzliche innovative Therapieansätze entwickelt werden“.

Quelle: PI DGN

(bd)
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