Erhöhtes Alzheimer-Risiko bei Männern mit Prostatakarzinom unter Androgenentzugstherapie?
Eine Gruppe von Wissenschaftlern der Medizinischen Universität von Wien in Österreich und zahlreicher anderer internationaler klinisch-wissenschaftlicher Einrichtungen ist kürzlich in einem systematischen Review und im Rahmen einer Metaanalyse der nach wie vor nicht eindeutig geklärten Frage nachgegangen, ob Männer mit einem Prostatakarzinom, die eine Androgenentzugstherapie erhalten, ein erhöhtes Demenz- und/oder Alzheimer-Erkrankungsrisiko haben. Durchsucht wurden die Literaturdatenbanken (1.- 3. Januar 2020) nach Literatur, welche sich mit den verschiedenen Inzidenzen einer Demenz- und/oder Alzheimer-Erkrankung als Outcome bei Patienten mit einem Prostatakarzinom mit versus ohne Androgenentzugstherapie beschäftigt hatten. Für ihre Untersuchungen verwendeten die Forscher metaanalytische Random- oder Fixed Effects-Modelle in der Gegenwart oder Abwesenheit von Heterogenität gemäß der I2-Statsitik. Insgesamt führten die Wissenschaftler 6 Metaanalysen für allgemeine Demenzursachen, den Morbus Alzheimer alleine und allgemeine Demenzursachen oder der Alzheimererkrankung unter Berücksichtigung der Dauer der Androgenentzugstherapie (bis zu und länger als 12 Monaten) durch. Zur Auswertung kamen letztendlich 14 Studien. In 9 von ihnen wurde über allgemeine Demenzursachen (alle Arten der Demenz inklusive Morbus Alzheimer) und in 8 nur über die Alzheimer-Erkrankung berichtet. 5 Studien wiederum ermittelten diese Outcomes gemäß der Dauer der Androgenentzugstherapie. Es zeigte sich, dass das Risiko für eine neu auftretende Demenz jeglicher Ursache und für einen Morbus Alzheimer in der Gruppe der Männer, die sich einer Androgenentzugstherapie unterzogen, höher war als in der entsprechend unbehandelten Gruppe. Das allgemeine Demenzrisiko war außerdem höher bei denjenigen Patienten, die die Androgenentzugstherapie länger als 12 Monate erhielten. Statistisch signifikante Unterschiede fanden sich dagegen nicht bei den Männern, die weniger als 12 Monate behandelt wurden. Auch fand sich keine Assoziation zwischen der Dauer der Androgenentzugstherapie und dem Risiko für einen Morbus Alzheimer. Männer, die wegen eines Prostatakarzinoms eine Androgenentzugstherapie erhalten, haben im Vergleich zu Patienten ohne eine entsprechende Therapie ein erhöhtes Risiko an einer Demenz und/oder einem Morbus Alzheimer zu erkranken, und zwar vor allem dann, wenn die Therapie länger als 12 Monate andauert, so die Studienautoren.
(drs)
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Quellen-URL (abgerufen am 01.03.2021 - 01:25): http://www.neuromedizin.de/Neuro-Urologie/Erhoehtes-Alzheimer-Risiko-bei-Maennern-mit-Prostatakarzinom.htm
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