RöKo 2018: Mechanische Thrombektomie beim Schlaganfall

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Mehr als 80 Prozent aller jährlich auftretenden 250.000 Schlaganfälle in Deutschland werden durch ein Blutgerinnsel (auch Thrombus genannt) verursacht, das ein Blutgefäß im Gehirn verschließt. Die Folge ist, dass Teile des Gehirns nicht mehr mit Blut versorgt werden und damit auch Sauerstoff, Glukose und andere wichtige Nährstoffe dem Gehirn nicht mehr ausreichend zur Verfügung stehen. Bei solchen sogenannten ischämischen Schlaganfällen bestand der Behandlungsstandard bisher darin, die Patienten möglichst rasch mit einer Infusion des Medikaments Alteplase (rt-PA) zu behandeln. Der Wirkstoff kann das Blutgerinnsel in den Hirnarterien auflösen. Diese Lysetherapie ist in allen deutschen Schlaganfalleinheiten (Stroke Units) seit Mitte der 1990er-Jahre Standard. Dieses Verfahren stößt jedoch bei Verschlüssen von großen Hirngefäßen an seine Grenzen. Viele Patienten überleben den Schlaganfall nur mit schweren und bleibenden Behinderungen, die Sterblichkeit ist unverändert hoch.

Das Jahr 2015 markiert einen Wendepunkt in der Behandlung des ischämischen Schlaganfalls

Die endovaskuläre Therapie, das heißt die minimal-invasive Entfernung des Blutgerinnsels mithilfe eines wiedereinfangbaren Miniaturgitternetzes (Stent-Retriever) unter angiografischer Bildkontrolle, hat in mehreren internationalen Multicenterstudien, die in jenem Jahr veröffentlicht wurden, eine hohe Wirksamkeit gezeigt. Damit wurde diese Therapieoption zur evidenzbasierten, führenden Behandlung des schweren ischämischen Schlaganfalls.

Worum geht es bei der mechanischen Thrombektomie?

Bei der mechanischen Entfernung des Blutgerinnsels, der Thrombektomie, schieben spezialisierte Neuroradiologen von der Leiste aus einen Katheter bis an die Stelle des Gehirns, wo das Blutgerinnsel eine Arterie blockiert hat. Mithilfe minimal-invasiver Techniken kann der Thrombus geborgen und über Hohlkatheter abgesaugt (aspiriert) werden. Orientierung über die Gefäßlandschaft des Gehirns erhält der Operateur durch die Angiografie, einer Röntgendurchleuchtungstechnik, die nach Gabe von Kontrastmittel die Gefäße sichtbar macht. Mittlerweile ist die Technik der Thrombektomie soweit verfeinert worden, dass beinahe 90 Prozent aller Gefäße wieder eröffnet werden können. Die mechanische Thrombektomie kommt somit sehr vielen Schlaganfall-Patienten zugute. Der Behandlungserfolg stellt sich oft sogar noch während der Operation ein. Man spricht dann vom sogenannten „Lazarus-Effekt“, wenn Patienten nach Entfernung des Thrombus bereits auf dem OP-Tisch wieder sprechen oder vormals gelähmte Gliedmaßen bewegen können. Entwickelt wurde die Methode maßgeblich in der deutschen Neuroradiologie, wo bereits seit den frühen 1980er-Jahren Schlaganfall-Patienten minimal-invasiv und Katheter-gestützt therapiert wurden.

Kommt die Methode den Patienten bereits zugute?

Bei der Schlaganfalltherapie ist die zeitnahe Versorgung des Patienten ein wichtiges Kriterium, denn je länger ein Patient unbehandelt bleibt, desto größer ist die Gefahr, dass das hinter dem Verschlussgebiet liegende Hirngewebe unwiederbringlich abstirbt – mit der Folge von schweren Behinderungen oder dem Tod des Patienten. Da in Deutschland die mechanische Thrombektomie bereits früh praktiziert wurde und ausgehend von den großen Universitätsneuroradiologien auch in die Fläche getragen wurden, verfügt das Land über eine sehr gute Versorgungssituation beim akut-ischämischen Schlaganfall.

(Quelle: drg)

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Quellen-URL (abgerufen am 25.05.2018 - 20:46): http://www.neuromedizin.de/Neuro-Chirurgie/RoeKo-2018--Mechanische-Thrombektomie-beim-Schlaganfall.htm
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