Neue Bildgebungstechnik hilft bei Hirntumoren maligne Wucherungen besser zu erkennen

Ein neuer Tumormarker bindet noch zuverlässiger an Tumorzellen und sendet vor allem eindeutige optische Signale, wenn er mit nahinfrarotem Licht bestrahlt wird. Dies hat sich in einer klinischen Studie als vielversprechend erwiesen, die kürzlich in der Fachzeitschrift "Neurosurgery" veröffentlicht wurde. Das neue Bildgebungssystem ermöglicht es Neurochirurgen, maligne Wucherungen besser zu erkennen, die oft nur schwer vollständig zu beseitigen sind. Die dazu nötige Kamera haben US-Forscher des Cedars-Sinai Medical Center, Los Angeles entwickelt, die die Laborbilder direkt in das OP-Mikroskop einspielt. Partner war das kanadische Unternehmen Blaze Bioschience, Inc., ein Spezialist für Markierungsstoffe. Dazu gehört "BLZ-100", das mit dem Hinzufügen einer synthetischen Aminosäure modizfiert wurde. Zu finden ist diese synthetische Version in der Natur im Gift von Skorpionen.

Praxisbeispiel: Der Neurochirurg arbeitet am offenen Gehirn. Der OP-Bereich wird mit nahinfrarotem Licht bestrahlt, das den Tumormarker fluoreszieren lässt. Jetzt kann der Operateur die Grenze zwischen Tumor und gesundem Gewebe genau erkennen, sodass er nicht mehr gezwungen ist, aus Sicherheitsgründen auch nicht erkrankte Zellen zu entfernen. Umgekehrt bleiben Tumore, die ein wenig abseits liegen, nicht mehr unentdeckt. Operateure, die Tumore im Gehirn entfernen, haben künftig bessere Chancen, Krebszellen von gesundem Gewebe zu unterscheiden.

Tumorzellen leuchten hell auf

"Mit dieser Fluoreszenz sehen Sie den Tumor so viel deutlicher, weil er wie ein Weihnachtsbaum aufleuchtet", sagte Dr. Adam Mamelak, leitender Studienautor vom Cedars-Sinai Medical Center. Besonders wichtig ist das ist bei Gliomen, einer Gruppe von Krebsarten, die vor allem Gehirn und Rückmark befallen und ohne Hilfsmittel von gesunden Zellen schwer zu unterscheiden sind.

Bei den klinischen Tests erhielten 17 Patienten mit Gehirntumoren das modifizierte BLZ-100. Der Anteil an Skorpiongift variierte. Trotzdem trat der Fluoreszenzeffekt in allen Fällen auf. Nach der OP wurden die Patienten 30 Tage lang intensiv beobachtet. Bei keinem stellten die Ärzte Nebenwirkungen fest.

"Trotzdem sind weitere klinische Tests vorgesehen, ehe der Antrag auf Zulassung bei der US-Arzneimittelbehörde FDA beantragt wird", sagen die Wissenschaftler.

(pte/map)
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Quellen-URL (abgerufen am 26.05.2019 - 07:27): http://www.neuromedizin.de/Neuro-Chirurgie/Neue-Bildgebungstechnik-hilft-bei-Hirntumoren-maligne-Wucher.htm
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