Schizophrenie: Präzisionsmedizin verbessert dank Genetik die medikamentöse Behandlung

Schizophrenie wird derzeit mit Antipsychotika behandelt. Dieser Behandlungsansatz wird jedoch meist ohne Anleitung durch Labortests durchgeführt, die Hinweise auf die Wirksamkeit liefern. Derartige Tests sind in anderen Bereichen der Medizin durchaus üblich. Ärzte handeln bei der Wahl des Behandlungsansatzes daher häufig nach dem Prinzip "Versuch und Irrtum". Dabei ist unbekannt, wie die Patienten auf ein Medikament ansprechen oder eben auch nicht.

Für eine aktuell veröffentlichte Studie haben Forscher des Feinstein Institute for Medical Research, Manhasset, New York, Gentests genutzt, um die Reaktion auf Medikamente während einer erstmaligen Schizophrenie-Erkrankung vorherzusagen. Dabei konzentrierten sich die Wissenschaftler nicht auf ein einzelnes Gen, sondern setzten mit den sogenannten "Polygenic risk scores (PRS)" einen relativ neuen Ansatz ein. Laut Forschungsleiter Jian-Ping Zhang handelt es sich dabei um die kombinierten Auswirkungen von vielen Tausenden genetischen Varianten im gesamten Genom. "Sie werden der komplexen Art dieser Erkrankung deutlich gerechter", so Zhang.

Die modernen Techniken der Genetik lassen sich laut der Studie einsetzen, um die Reaktion eines Patienten auf die Behandlung mit Antipsychotika vorherzusagen. Schizophrenie ist in den USA eine der häufigsten Ursachen für eine Behinderung. Zu den Symptomen gehören Wahnvorstellungen, Halluzinationen sowie planloses Denken und Verhalten.

Laut den im "American Journal of Psychiatry" veröffentlichten Ergebnissen sprechen Patienten mit höheren PRS oder einer größeren genetischen Belastung weniger wahrscheinlich auf eine konventionelle Behandlung mit Antipsychotika an. Diese Ergebnisse wurden durch zwei unabhängige Kohorten bestätigt. Für das Projekt arbeiteten die Forscher des Feinstein Institute for Medical Research auch mit Experten aus ganz Europa zusammen.

Laut dem Studienleiter Todd Lencz, eröffnet dieses Wissen nicht nur eine viel präzisere Medikation, sondern auch ganz neue Möglichkeiten in der Psychiatrie. „Die Arbeit von Drs. Lencz und Zhang ist ein großer Fortschritt auf dem Gebiet der Präzisionsmedizin bei Schizophrenie“, sagt Kevin J. Tracey, MD, Präsident und CEO des Feinstein Institutes.

Originalarbeit

Schizophrenia Polygenic Risk Score as a Predictor of Antipsychotic Efficacy in First-Episode Psychosis, Published Online 5 November 2018, The American Journal of Psychiatry

(pte/map)
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Quellen-URL (abgerufen am 16.11.2018 - 16:32): http://www.neuromedizin.de/Forschung/Schizophrenie--Praezisionsmedizin-verbessert-dank-Genetik-di.htm
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