Häufigkeit und Prädikatoren für ein Delirium in der akuten Phase einer Meningitis oder Enzephalitis
Wissenschaftler des Universitätsspitals Basel in der Schweiz haben im Rahmen einer Studie untersucht, wie häufig es bei Patienten in der akuten Phase einer Meningitis und/oder einer Enzephalitis (ME) zu einem Delirium kommt und ob es hierfür frühe Prädiktoren gibt. Hierzu analysierten sie die klinischen, radiologischen und laborchemischen Daten von 330 ME-Patienten, die im Baseler Universitätsspital im Zeitraum zwischen 2011 und 2017 behandelt wurden. Außerdem bestimmten die Forscher den höchsten Score der ICDSC (= Intensive Care Delirium Screening Checklist) innerhalb von 24 Stunden um die durchgeführte Lumbalpunktion herum. Um Prädiktoren für ein Delir (ICDSC ≥4) zu identifizieren, setzten die Experten die multivariable logistische Regression ein. Die Analysen ergaben, dass in 41 % der 330 ME-Fälle infektiöse Erreger diagnostiziert wurden. Ein ICDSC >1 fand sich bei 28 % der Patienten mit und bei 19 % ohne pathogene Keime. Außerdem zeigte sich, dass ein Delirium bei 18 % der Patienten mit und bei 14 % ohne infektiöse Erreger diagnostiziert wurde und signifikant mit einer längeren Krankenhausbehandlung und mechanischen Beatmung sowie mit einer häufigeren Gabe von Neuroleptika und Anästhetika (96 % mit Delir versus 35 % ohne Delir), einer höheren Komplikationsrate und einer schlechteren Genesung assoziiert war. Ein niedriges Serumalbumin war der einzige unabhängige Prädiktor für ein Delirium bei den Studienteilnehmern mit einem positiven Erregernachweis (AUROC = 0.792). In der Gruppe der Patienten mit Infektionen war die AUROC (= area under the receiver-operating curve) am niedrigsten bei einer Enzephalitis (AUROC = 0.641) und höher bei Patienten mit meningealen Infektionen (Meningitis AUROC = 0.807; Meningoenzephalitis AUROC = 0.896). In dieser Studie konnte gezeigt werden, dass ein Delirium in Zusammenhang mit einer Meningitis und/oder einer Enzephalitis bei etwa jedem 5. Patienten zu beobachten und mit einer verlängerten Behandlungsdauer, mit Komplikationen und einer inkompletten Genesung assoziiert ist, so die Autoren. Bezüglich der klinischen, radiologischen und laborchemischen Parameter scheint den Wissenschaftlern aus Basel zufolge eine gute Kalibrierung und kritische Beurteilung von niedrigen Konzentrationen des Albumins im Serum zur Vorhersage eines Deliriums bei ME-Patienten vielversprechend zu sein, und zwar besonders dann, wenn die Meningen betroffen sind.
(drs)
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Quellen-URL (abgerufen am 10.07.2020 - 01:34): http://www.neuromedizin.de/Neuro-Intensivmedizin/Haeufigkeit-und-Praedikatoren-fuer-ein-Delirium-in-der-akute.htm
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