Neue Studie zum späteren Verlauf des Tourette-Syndroms im Kindesalter und seiner Komorbiditäten
Wissenschaftler des Herlev University Hospitals in Herlev, Dänemark, haben im Rahmen einer Studie untersucht, wie der Verlauf des im Kindesalter beginnenden Tourette-Syndroms während der Jugendzeit ist und ob genauere Angaben zur Prävalenz bestehender Komorbiditäten gemacht werden können. Studienteilnehmer waren 314 Tourette-Patienten im Alter zwischen 5 und 19 Jahren. 227 der 314 Kinder und Jugendlichen führten die Studie bis zum Ende des 6-jährgen Follow-ups durch. Primäres Endziel waren die Persistenz und der Schweregrad der Tics und der Komorbiditäten. Um die Koexistenz von Psychopathologien zu ermitteln, verwendeten die Forscher das „Development and Well-Being Assessment (DAWBA). Die Auswertung aller gesammelten Daten ergab, dass bei den Studienteilnehmern der Schweregrad der Tics während des Jugendalters jährlich abnahm, und zwar um 0,8 Punkte auf der “Yale Global Tic Severity Scale (YGTSS)“. Insgesamt 17,7 % der Patienten über 16 Jahre hatten gar keine Tics mehr, 59.5 % wiesen minimale oder leichte Tics auf und bei 22,8 % fanden sich noch moderate oder schwere Tics. Ähnlich signifikant war die jährliche Abnahme des Schweregrades komorbider Zwangsstörungen (OCD = obsessive-compulsive disorder) und Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörungen (ADHS). Nach Ablauf des Follow-ups von 6 Monaten hatten noch 63 % der untersuchten Tourette-Patienten Komorbiditäten oder begleitende Psychopathologien. Die übrigen 37 % litten unter einem reinen Tourette-Syndrom. In dieser Studie konnte gezeigt werden, dass bei Patienten mit einem Tourette-Syndrom der Schweregrad der Tics, der OCD und des ADHS signifikant mit dem Lebensalter assoziiert ist und während der Jugendzeit deutlich abnimmt, so die Autoren. Allerdings persistiert den Experten zufolge auch ein beträchtlicher Anteil an Komorbiditäten und Psychopathologien über das Jugendalter hinaus, was von Klinikern grundsätzlich berücksichtigt werden sollte.
(drs)
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