Erhöhtes Risiko für Entwicklungsstörungen des Nervensystems bei Kindern mit nicht-syndromaler Lippen-Gaumenspalte
Kinder mit einer nicht-syndromalen Lippen- und oder Gaumenspalte haben ein signifikant erhöhtes Risiko für Entwicklungsstörungen des Nervensystems. Dies ist das Resultat einer Studie von schwedischen Wissenschaftlern der Universität von Uppsala und des Karolinska Institutet in Solna mit 7.842 Kindern, die in Schweden im Zeitraum zwischen 1973 und 2012 mit einer nicht-syndromalen orofacialen Spaltenbildung (OFC = orofacial clefts) zur Welt kamen, sowie einer angepassten Kohorte (n=78.409) und ihre Geschwister ohne OFC (n = 9,637). Mittels gekreuzter und adjustierter Cox-Regression ermittelten die Forscher bei allen Probanden das Risiko für psychiatrische Diagnosen, Suizidversuche sowie Suizide und den möglichen Einfluss des Geschlechtes der Patienten hierauf. Die Auswertung des gesammelten Datenmaterials ergab, dass die Kinder mit einer Lippenspalte (CL = cleft lip) ein signifikant höheres Risiko für jede Art von psychiatrischen Erkrankungen, eine intellektuelle Behinderung und Sprachstörungen hatten als die anderen Studienteilnehmer. Kinder mit einer Lippen- und Gaumenspalte (CLP = cleft lip and palate) hatten außerdem noch ein erhöhtes Risiko für eine Erkrankung aus dem autistischen Formenkreis (ASD = autism spectrum disorder). Patienten, die ausschließlich eine Gaumenspalte (CPO = cleft palate only) hatten, wiesen zwar die gleiche Risikoerhöhung für die gleichen Diagnosen auf wie die Kinder mit CL und CLP, die Wahrscheinlichkeit war jedoch insgesamt höher, und zwar insbesondere auch für psychiatrische Erkrankungen, eine ADHS und andere Verhaltens- oder emotionalen Störungen des Kindesalters. Die Geschlechter-Stratifizierung ergab, dass Mädchen mit einer CL und einer CLP, aber nicht Mädchen mit einer CPO ein höheres Risiko für Entwicklungsstörungen des Nervensystems hatten als Jungen. Außerdem zeigte sich, dass die Wahrscheinlichkeit für psychiatrische Erkrankungen, intellektuelle Behinderungen, Sprachstörungen, eine ASD oder eine ADHS bei den Geschwisterkindern ohne OFC deutlich geringer war als bei ihren Geschwistern mit OFC. Kinder mit einer nicht-syndromalen Lippen- und oder Gaumenspalte haben ein signifikant erhöhtes Risiko für Entwicklungsstörungen des Nervensystems, so die Autoren. Dieses Risiko sei aber eher nicht durch familiäre Einflüsse, wie angeborene genetische oder gemeinsame Umgebungsfaktoren zu erklären.
(drs)
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Quellen-URL (abgerufen am 26.04.2019 - 06:32): http://www.neuromedizin.de/Kinder--u--Jugendpsychiatrie/Erhoehtes-Risiko-fuer-Entwicklungsstoerungen-des-Nervensyste.htm
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