Medizinische Fachkräfte priorisieren klinisch geprüfte Stämme gegenüber hochdosierten Probiotika

Probiotika werden von etwa 32 Millionen Menschen in Deutschland täglich, wöchentlich oder monatlich zur Unterstützung der allgemeinen Gesundheit und des Wohlbefindens sowie in einigen Fällen zur Behandlung spezifischer Erkrankungen eingesetzt. Doch es bestehen Fragen: Werden Probiotika korrekt eingesetzt und benötigt unser Körper tatsächlich nur hohe Stammzahlen oder vielmehr zielgerichtete, klinisch geprüfte Stämme?

Befragt wurden hierzu 50 niedergelassene Allgemeinmediziner und zugelassene Diätassistenten in Deutschland. Es zeigte sich, dass 82 % der Befragten klinisch geprüfte Stämme zielgerichtet auf spezifische Gesundheitsprobleme abgestimmt werden, statt wahllos hochdosierte Multi-Stamm-Formulierungen einzusetzen. Nur 18 % vertraten die Meinung, dass die bloße Anwendung großer Mengen von Bakterien die effektivste Nutzung von Probiotika darstellt. Die Ergebnisse wurden anschließend von einem multidisziplinären Expertenteam der European Society for Primary Care Gastroenterology (ESPCG) diskutiert.

Die Experten waren sich einig, dass sich der Trend von der früheren Philosophie "mehr Stämme, höhere Dosis" hin zu einem differenzierteren, evidenzbasierten Ansatz verschiebt, der die Stammspezifität in den Vordergrund rückt. Hochdosierte Probiotika fokussieren häufig auf die Quantität der Mikroorganismen, nicht jedoch auf die Wirksamkeit einzelner Stämme. Spezifische Stämme wie Bifidobacterium longum 35624(TM) bieten hingegen gezielte gesundheitliche Vorteile, die durch klinische Forschung belegt sind.

Das Expertenteam betonte, dass die gezielte Auswahl wissenschaftlich validierter Stämme entscheidender ist als die wahllose Verabreichung von Milliarden von Bakterien bei unterschiedlichen Erkrankungen, einschließlich Reizdarmsyndrom (IBS).

Die Erkenntnisse werden derzeit von den Experten mit dem Ziel überprüft, Fortbildungsmaterialien und Leitlinien zu erstellen.

Quelle: ots / PI Satellite Health

(bd)
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