Süße Aromen, bunte Verpackungen und der vermeintlich harmlose Dampf: Aromatisierte E-Zigaretten, sogenannte Vapes, machen den Nikotinkonsum unter Kindern und Jugendlichen wieder attraktiv, und stellen die Suchtprävention vor neue Herausforderungen. Ein an der Charité – Universitätsmedizin Berlin entwickeltes Programm zeigt nun, wie gezielte Prävention im Schulalltag funktionieren kann. In einer begleitenden Studie, die im Fachmagazin Nature: Scientific Reports veröffentlicht wurde, beurteilten Kinder und Lehrkräfte das Schulprogramm als sehr positiv und als gut im Schulalltag durchführbar.
„20 Jahre lang war Nikotinprävention bei Kindern und Jugendlichen eine Erfolgsgeschichte. Doch nun beobachten wir, dass die langjährigen Erfolge durch Einweg-E-Zigaretten ausgebremst werden“, erklärt Marina Hinßen, Erstautorin der Studie. „Selbst Kinder, die vorher nie geraucht haben, greifen jetzt zur E-Zigarette.“
Schulungsprogramm "nachvorn"
Hier setzt das Schulprogramm „nachvorn“ an, dass das Forschungsteam der Charité gemeinsam mit Schülern, Lehrkräften sowie Experten aus Gesundheitswesen, Psychologie und Pädagogik mit finanzieller Unterstützung durch die Deutsche Herzstiftung entwickelt hat. Es zielt darauf ab, Kinder zu erreichen, bevor sie zu Nikotinprodukten greifen.
Aktuell wird das Programm zu einer digitalen Plattform weiterentwickelt, die Schulen zwei Wege bietet: eine Variante mit einfach durchzuführenden videobasierten Modulen und eine interaktivere Variante, die Lehrkräfte stärker gestalten können.
Eine groß angelegte Cluster-Studie mit 1.500 Berliner Schülerinnen und Schülern soll nun die Langzeitwirkung des Programms belegen. Es handelt sich dabei um die europaweit erste kontrollierte Studie zur E-Zigarettenprävention an Schulen. „Wir haben ein Tool entwickelt, das unmittelbar bei Kindern, Lehrkräften und Schulen ankommt“, fasst Marina Hinßen zusammen. „Jetzt geht es darum, es flächendeckend einzusetzen und zu testen, damit wir noch mehr Kinder und Jugendliche erreichen.“
Doch Aufklärung allein reicht den Forschenden nicht. Sie fordern auch strukturelle Veränderungen, von einer besseren Einhaltung des Jugendschutzes bis hin zu einem Verbot gesundheitsschädlicher Aromastoffe, die E-Zigaretten besonders attraktiv für Kinder und Jugendliche machen.
Quelle: News Charité - Universitätsmedizin Berlin










