Studien zur Corona-Zeit wollen vermitteln, wie wichtig Wissenschaftsvertrauen im Kampf gegen Pandemien ist. Doch dieser Zusammenhang ist nicht so klar als gedacht. Das zeigen Forschende der FernUniversität Hagen in einer Studienreihe.
Corona 2020
Die Bundesregierung will 2020 gegen die Ausbreitung der Infektionskrankheit COVID-19 mit verschiedenen Schutzmaßnahmen steuern. Wer die Regeln beachtete, hatte oft ein höheres Vertrauen in die Wissenschaft, das zeigten psychologische Studien. Schnell übernahmen politische Leitfäden „Wissenschaftsvertrauen“ als zentrales Schlagwort.
Ist Wissenschaftsvertrauen also ein besonderer Hebel beim Pandemieschutz? „So einfach lässt sich das nicht sagen“, warnt Dr. Tobias Wingen, Psychologe an der FernUniversität in Hagen. Gemeinsam mit seinen Mitautorinnen Ann-Christin Posten (University of Limerick) und Simone Dohle (Universität Bonn) startete er eine Studienreihe: Darin wurde das Wissenschaftsvertrauen von 5.000 Teilnehmer:innen gezielt verändert – in Experimenten, die erfolgreiche Forschungsaussagen, aber auch wissenschaftliche Fails präsentierten. Anschließend wurde die Bereitschaft zu verschiedenen Corona-Maßnahmen ermittelt. Die Ergebnisse wurden jetzt veröffentlicht.
„Wir sind eigentlich selbst aus dem Lager gekommen, das von einem kausalen Zusammenhang ausgegangen ist, und wollten den Effekt einfach nochmal ordentlich belegen“, stellt Wingen voran. Dass der kausale Effekt nicht zwingend bestehen muss, war dem Team klar, doch zur Überraschung der Psycholog:innen gelang es in keinem einzigen der vielen Experimente, einen echten kausalen Zusammenhang nachzuweisen. „Damit ist fraglich, ob Wissenschaftsvertrauen tatsächlich der zentrale Schutzfaktor ist, für den es im öffentlichen Diskurs gehalten wurde.“
Was bedeutet dieses Ergebnis nun? Ist Vertrauen in die Wissenschaft irrelevant? „Nein“, ordnet Wingen ein. „Aber zumindest kurzfristige Änderungen im Vertrauen zeigten keine Auswirkungen.“ Für den Psychologen ist deshalb klar: „In diesem Gebiet sollte auf jeden Fall weitergeforscht werden.“
Quelle: idw-online.de / News FernUniversität Hagen










