ADHS ist bei Erwachsenen weit verbreitet, bleibt aber oft unentdeckt. Ein valides und zeitsparendes Screening-Instrument für die Primärversorgung ist daher erforderlich. Ein Forschungsteam um Dr. Cora Ballmann (München) hat deshalb die deutsche Version des ADHS-Fragebogentests ASRS-5 geprüft - und kam zu einem klaren Ergebnis: Der kurze WHO-Fragebogen ist ein zuverlässiges und praktikables Instrument, gerade in der hausärztlichen Versorgung. Der Charme des Tests liegt in seiner Schlichtheit: Sechs Fragen, ein Ankreuzschema, Auswertung in Sekunden.
Screening-Test
Er ist kostenlos verfügbar, in zahlreichen Sprachen abrufbar und kann ohne technischen Aufwand in jeder Praxis eingesetzt werden - von der Ärztin selbst oder durch die Medizinische Fachangestellte. Liegen mindestens vier Kreuzchen in der markierten Zone, sollte genauer hingesehen werden. So können Hausärzte mit minimalem Zeitaufwand einen Anfangsverdacht erhärten und Patienten in die richtige Richtung eines Facharztes lotsen.
Die Studie aus dem Jahr 2022 zeigt zudem, dass auch die Spezifität des ASRS-5 solide ist - rund 72 Prozent. Das bedeutet: Nicht jeder Verdacht bestätigt sich. Aber selbst in Fällen, in denen sich keine ADHS-Diagnose ergibt, ist der Test ein Gewinn. Denn er führt dazu, dass andere Ursachen von Erschöpfung, Konzentrationsproblemen oder Stimmungsschwankungen überhaupt erst erkannt werden. Patienten profitieren so von einer gezielteren weiteren Abklärung, anstatt jahrelang ohne Erklärung zu bleiben.
Am Ende gilt: Screening ersetzt keine fachärztliche Diagnose - doch es eröffnet Chancen für alle Beteiligten. Ärztinnen und Ärzte erhalten ein handliches Werkzeug für den Praxisalltag. Patienten gewinnen Klarheit und Zugang zu einer möglichen Behandlung. Und die Gesellschaft profitiert, wenn weniger Menschen durch unerkanntes ADHS in Krisen, Suchterkrankungen oder berufliche Brüche geraten.
Quelle: ots / ADHS Expertenrat










