Wartezeiten in den Praxen stehen derzeit wieder in der Diskussion. Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. Andreas Gassen, hat sich kritisch zu Vorstellungen nach noch mehr Arztterminen unter anderem durch den GKV-Spitzenverband geäußert.
„Zunächst einmal gilt es festzuhalten, dass im fachärztlichen Bereich jährlich über 40 Millionen Termine nicht vergütet werden. Jedwede auf Wartezeitenverkürzung abzielende Maßnahme muss zuerst diesem Umstand Rechnung tragen und dafür sorgen, dass die offenbar von Allen als unverzichtbar eingestuften Facharztbesuche auch vergütet werden. Ansonsten wird das fachärztliche Terminangebot eher kleiner als größer werden. Für den Patientenservice der 116117 stellen wir ja schon jetzt eine leistungsfähige Software für die Terminvermittlung zur Verfügung.
Klar muss aber sein, dass es sich um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die nicht allein wie bisher aus Finanzmitteln der niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen gestemmt werden darf. Eine Terminplattform muss Patientinnen und Patienten bei der freien Wahl ihres Arztes oder Psychotherapeuten unterstützen, und diese freie Wahl darf nicht zugunsten zentraler Planungs- und Überwachungsfantasien geopfert werden. Die Vorstellungen des GKV-Spitzenverbands laufen hier den Interessen der Patienten diametral entgegen.
Die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen vergeben Termine selbst nach medizinisch erforderlichen Kriterien, die sich aus dem Versorgungskontext ergeben. Es geht eben nicht nur um ein Datum im Kalender wie bei einem Friseurtermin, sondern um die Koordination von Versorgung. Das funktioniert aber nur, wenn bei der Terminvergabe auch eine Verbindlichkeit für alle Beteiligten her- und sichergestellt wird. Wegen der teilweise hohen No-Show-Rate müsste eigentlich jeder gebuchte GKV-Termin automatisch eine Vergütung auslösen. Im Übrigen gibt es gar nicht so viele Privatversicherte als das durch sie Termine ´blockiert´werden könnten.
Rund 90 Prozent der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland sind gesetzlich krankenversichert. Auf sie entfällt dementsprechend automatisch der mit Abstand größte Anteil der Termine. Zudem gehen die rund zehn Prozent privat Versicherten deutlich seltener zum Arzt.“
Quelle: PI KBV










