Beim Management von Herzkrankheiten setzt eine neue EU-Strategie vermehrt auf künstliche Intelligenz. Die Basler Rechtswissenschaftlerin Hannah van Kolfschooten hält dies für verfrüht. Sie bemängelt unter anderem, dass ein konkreter Nutzen für Patienten noch nicht nachgewiesen ist und es Lücken in der Gesetzgebung gibt.
Safe-Hearts-Plan
Mit dem Safe-Hearts-Plan wurde Ende letzten Jahres ein Plan für Gesundheit von Herz und Kreislauf von der EU vorgestellt. Er soll den Mitgliedstaaten dabei helfen, neue Strategien im Kampf gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu entwickeln. Die KI nimmt in diesem Plan eine Schlüsselrolle ein. Sie soll prominent in allen drei Bereichen zum Einsatz kommen, auf denen die Bekämpfung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen beruht: Prävention, Früherkennung und Screening sowie Behandlung und Versorgung.
In dem im Fachjournal Lancet Regional Health – Europe veröffentlichten Artikel hat sich die Rechtswissenschaftlerin dazu geäußert. Sie kritisiert nicht nur den Fokus auf KI. Unter anderem bemängelt sie, dass die Daten, mit denen KIs trainiert werden, vorwiegend von Patientengruppen stammen, in denen Minderheiten nicht repräsentiert sind. Auch das Geschlechterverhältnis ist nicht repräsentativ.
Laut Dr. van Kolfschooten wäre es wichtig, die gesetzlichen Rahmenbedingungen für den Einsatz von KI schaffen, was alleine aber nicht ausreiche. Es müsse auch in die medizinische Ausbildung investiert werden, damit sich angehende Ärzte die notwendigen Fähigkeiten aneignen können. Und bei KI-Anwendungen sollte nicht nur die technische Leistungsfähigkeit, sondern auch der klinische Nutzen gemessen werden. Das alles müsste sofort und gleichzeitig angegangen werden.
Zur Person
Dr. Hannah van Kolfschooten forscht als Postdoktorandin am Zentrum für Life Sciences-Recht an der Juristischen Fakultät der Universität Basel. Ihr Fokus liegt auf der Schnittstelle zwischen Recht, künstlicher Intelligenz und Gesundheit. Sie ist als Expertin Mitglied in KI-Ausschüssen der Weltgesundheitsorganisation und der EU.
Quelle: News Universität Basel










