Schwere neurologische Folgen unbehandelter angeborener metabolischer Erkrankungen bei Flüchtlingskindern: Das muss nicht sein!
Wissenschaftler des Dr. von Haunerschen Kinderspitals der Ludwig-Maximilians-Universität München erinnern in einem aktuellen Beitrag der Zeitschrift „Neuropediatrics“ daran, dass im Jahr 2015 im Rahmen der Massenmigration aus Syrien und benachbarten Ländern in Deutschland die bislang noch nie da gewesene Anzahl von 476.649 Asylanträgen gestellt wurde. Viele der Flüchtlinge haben Süddeutschland über den österreichischen Korridor erreicht und insbesondere die Landeshauptstadt München war mit der Mehrzahl der ankommenden Kriegsflüchtlinge und auch ihren komplexen Gesundheitsproblemen konfrontiert. Sehr viele der Geflüchteten waren Kinder. Am häufigsten waren infektiöse Erkrankungen zu behandeln oder Trauma-bedingte Operationen vorzunehmen, aber auch komplexe chronische Erkrankungen zählten dazu. In ihrem Zeitschriftenbeitrag berichten die Münchener Pädiater in diesem Zusammenhang auch von der Krankengeschichte, den Zeichen und Symptomen, der Diagnostik und Therapie von 6 geflüchteten Kindern mit unbehandelten angeborenen Stoffwechselstörungen (IEM = inborn errors of metabolism), und zwar der Phenylketonurie, dem Biotinidasemangel, dem Hydroxymethylglutaryl-CoA-Lyase-Mangel, der Mucopolysaccharidose Typ II und der Mucopolysaccharidose Typ VI. Den Experten zufolge ist bekannter Weise eine frühe Diagnose und Behandlung dieser IEMs essentiell und sowohl die verzögerte Diagnose der Erkrankungen als auch eine inadäquate Therapie hat bei den Flüchtlingskindern zu einer signifikanten Hirnschädigung und einer Organzerstörung geführt und kann sogar den Tod der kleinen Patienten bedeuten. Schwere neurologische Folgen sowohl bei der Phenylketonurie als auch beim Hydroxymethylglutaryl-CoA-Lyase-Mangel hätten durch ein Neugeborenen-Screening verhindert werden können, so die Mahnung der Autoren. Screening-Programme seien unerlässlich, um die Prognose von Flüchtlingskindern zu verbessern. Die Staaten der Europäischen Union und die involvierten Gesundheitssysteme sollten dafür sorgen, dass eine Frühdiagnose und Behandlung von Flüchtlingskindern bezüglich angeborener Stoffwechselstörungen durchgeführt wird, um neurologische Langzeitschäden bei den Kindern zu vermeiden.
(drs)
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Quellen-URL (abgerufen am 26.04.2019 - 06:35): http://www.neuromedizin.de/Neuropaediatrie/Schwere-neurologische-Folgen-unbehandelter-angeborener-metab.htm
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