Kaliumbromid zur Therapie der refraktären Epilepsie im Kindesalter?
In einer retrospektiven Studie, die vor Kurzem im Journal of Child Neurology publiziert wurde, haben Wissenschaftler der Division of Child Neurology, Chiba Children's Hospital und der Soga Pediatric Clinic in Chiba, Japan, die Effektivität und Verträglichkeit von Kaliumbromid bei Kindern mit einer therapierefraktären Epilepsie genauer untersucht. Hierzu werteten sie die Daten von 42 Epilepsie-Patienten im Alter zwischen 4 Monaten und 19 Jahren aus, die im Zeitraum zwischen 2008 und 2016 in ihrem Kinderkrankenhaus mit Kaliumbromid behandelt wurden. 13 Kinder hatten 2 Anfallstypen. Die Behandlungsdauer lag im Mittel bei 15 Monaten. Die Analysen ergaben, dass Kaliumbromid bei 3 Patienten (7,1 %) einen ausgezeichneten Effekt hatte (Anfallsfreiheit), in 21 Fällen (50 %) moderat effektiv war (> 50 % Anfallsverringerung) und bei weiteren 21 Kindern (42,9 %) keine oder kaum Wirkung hatte (< 50 % Anfallsverringerung). Die effektive tägliche Dosierung reichte von 20 bis 80 mg/kg Körpergewicht. Außerdem zeigte sich, dass Kaliumbromid bei 59,1 % der Patienten mit einer generalisierten Epilepsie (n=22), bei 55,6 % mit einer fokalen Epilepsie (n=18) und bei den beiden Kindern, die ein Dravet-Syndrom hatten, effektiv war. Einen ausgezeichneten oder moderaten Effekt hatte Kaliumbromid außerdem bei 72,2 % der Patienten mit tonischen Anfällen (n=18), bei 66,6 % mit generalisierten tonisch-klonischen Anfällen (n=6), bei 75,0 % mit sekundär generalisierten Anfällen (n=4), bei 46,2 % mit fokalen Anfällen (n=13) und bei 20 % mit infantilen Spasmen (n=10). Keine Wirkung hatte Kaliumbromid dagegen bei Kindern mit myoklonischen Anfällen (n=2). An unerwünschten Nebenwirkungen waren in 13 Fällen (31 %) Schläfrigkeit, Aufregung und Hautausschläge zu beobachten. Diese Studienergebnisse deuten darauf hin, dass Kaliumbromid bei Kindern mit einer refraktären Epilepsie im Falle von tonischen, generalisierten tonisch-klonischen und sekundär generalisierten Anfällen zumindest teilweise effektiv ist, so die Autoren. Auch wenn dem Nebenwirkungsspektrum vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt werden müsse, so sollte nach Meinung der japanischen Wissenschaftler Kaliumbromid als Therapieoption bei Kindern mit einer refraktären Epilepsie in Betracht gezogen werden.
(drs)
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Quellen-URL (abgerufen am 25.08.2019 - 20:10): http://www.neuromedizin.de/Neuropaediatrie/Kaliumbromid-zur-Therapie-der-refraktaeren-Epilepsie-im-Kind.htm
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