Neue komparative Studie zur Effektivität von Fingolimod und Teriflunomid in der Therapie der schubförmig verlaufenden Multiplen Sklerose
Wissenschaftler der Karadeniz Technical University, Department of Neurology in Trabzon und weiterer klinischer Einrichtungen in der Türkei haben kürzlich im Rahmen einer multizentrischen retrospektiven Beobachtungsstudie die Effektivität von Fingolimod und Teriflunomid in der Therapie der schubförmig verlaufenden Multiplen Sklerose (RRMS = relapsing-remitting multiple sclerosis) miteinander verglichen. Teilnehmer der Studie waren alle konsekutiven Patienten mit einer RRMS aus 15 verschiedenen Zentren, die mit Fingolimod und Teriflunomid behandelt wurden. Gesammelt wurden Daten bezüglich der Schubraten, der EDSS (= Expanded Disability Status Scale)-Scores und der magnetresonanztomographischen Bildgebung des Gehirns. Die Patienten wurden mittels der Propensity Score-Methode gematcht. Außerdem verglichen die Forscher über einen durchschnittlichen Beobachtungszeitraum von 2,5 Jahren zwischen beiden Therapiegruppen die jährliche Schubrate (ARR = Annualized relapse rates (ARR), das Fortschreiten der Behinderung sowie die Anzahl der Patienten mit einer in der MRT aktiven Erkrankung und die Anzahl der Studienteilnehmer mit einem Therapieabbruch. Durch das Propensity Score-Matching verblieben 349 von 1.388 Patienten in der Fingolimod-Gruppe und 349 von 678 Patienten in der Teriflunomid-Gruppe, deren Daten in die Endanalyse mit aufgenommen wurden. Die Auswertungen ergaben, dass die durchschnittliche ARR in beiden Gruppen nach 1 und 2 Jahren der Behandlung deutlich abgenommen hatte. Insgesamt war die mittlere ARR nach 1 und nach 2 Therapiejahren allerdings in der Fingolimod-Gruppe geringer als bei den mit Teriflunomid behandelten Patienten. Außerdem zeigte sich, dass verglichen mit der Teriflunomid-Gruppe, die Patienten, die Fingolimod erhalten hatten, nach 2,5 Jahren häufiger frei von Erkrankungsschüben waren und seltener eine MRT-aktive Erkrankung aufwiesen. Das Ausmaß einer Verschlechterung der körperlichen Behinderung war in beiden Gruppen ähnlich, ein Therapieabbruch wiederum trat in der Fingolimod- seltener auf als in der Teriflunomid-Gruppe. Fingolimod war zumindest in dieser Studie mit einer besseren MS-Schub-Kontrolle und einer geringeren Rate an Therapieabbrüchen assoziiert als Teriflunomid, so die Autoren. Beide oralen Therapien hätten allerdings ähnliche Effekte und ein vergleichbares Outcome hinsichtlich des Status der körperlichen Behinderung.
(drs)
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