„Abgestufte Angioplastie“ bei Patienten mit Carotis-Stenose und hohem Hyperperfusionssyndrom-Risiko effektiv und sicher
Die sogenannte „abgestufte Angioplastie“ (SAP = staged angioplasty) ist eine in zwei Stufen durchgeführte Form der Carotis-Stentimplantationen (CAS = carotid artery stenting), die einer zu raschen Zunahme des zerebralen Blutflusses, dem Hyperperfusionssyndrom, vorbeugen kann. In einer Studie haben vor Kurzem Wissenschaftler der Okayama University Graduate School of Medicine in Okayama, Japan, die Sicherheit und Effektivität der SAP nochmals genauer untersucht. Studienteilnehmer waren 134 Patienten mit einer hochgradigen Stenose der A. carotis, bei denen im Zeitraum zwischen Januar 2010 und Dezember 2018 eine CAS durchgeführt wurde. Patienten, die im 123I-IMP SPECT mit Azetazolamid schwere Beeinträchtigungen der hämodynamischen Reserve aufwiesen, erhielten die SAP, die übrigen Personen das konventionelle CAS. Insgesamt 26 Patienten (19,4 %) hatten ein erhöhtes Risiko für ein Hyperperfusionssyndrom und wurden der SAP-Gruppe zugeordnet. Die Auswertung des gesammelten Datenmaterials ergab, dass es so bei keinem der Patienten beider Gruppen zu einem Hyperperfusionssyndrom kam. Positive Läsionen in der postoperativen diffusionsgewichteten Bildgebung (DWI) in der MRT fanden sich in 56 Fällen (52,3 %) der Kontrollgruppe und bei 16 Patienten (64 %) der SAP-Gruppe. Symptomatische, mit dem Eingriff assoziierte Komplikationen traten bei 5 Patienten (4,6 %) der mit dem konventionellen Carotis-Stenting behandelten Personen und in einem Fall der SAP-Gruppe auf. Diese Unterschiede waren allerdings statistisch nicht signifikant. Der Score auf der Modified Rankin Scale (mRS) war 30 Tage nach der Entlassung auf dem Krankenhaus in 4 Fällen (3 %) abgefallen. Außerdem zeigte sich, dass ein distaler Filterschutz signifikant mit dem Auftreten neuer DWI-positiver Läsionen korrelierte. Das Fazit der Wissenschaftler: Die „abgestufte Angioplastie“ ist für Patienten mit einem hohen Risiko für ein Hyperperfusionssyndrom eine gute Therapiestrategie, um eine entsprechende Komplikation zu vermeiden. Dabei führt die SAP im Vergleich zu der konventionellen Angioplastie nicht zum Anstieg der Rate an DWI-positiven Läsionen oder an operationsbedingten Komplikationen.
(drs)
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Quellen-URL (abgerufen am 08.04.2020 - 17:09): http://www.neuromedizin.de/Neuro-Radiologie/-Abgestufte-Angioplastie--bei-Patienten-mit-Carotis-Stenose-.htm
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